Nicht zuletzt Sherlocks Schwester hat in der Fiction mit vielen anderen, klugen und in Gefahren auch bestehenden Frauen zeigt: Nicht nur coole oder harte oder verträumte männliche Ermittler lassen die Herzen von Lesern und Leserinnen höherschlagen, sondern gerade eben auch kluge und mutige Frauen, die zudem das Herz auf dem rechten Fleck tragen.
Wie nun eben Anya Brown, Doktorin der „Schriftkunde“ und spezialisiert auf die Sichtung und Sicherung alter bis uralter Schriften.
Da ist es für sie natürlich ein persönlicher und beruflicher Hauptgewinn, beauftragt zu werden, eine alte, noch nicht entzifferte und lange geheime Schriftensammlung, „Das Buch der Wunder“, wissenschaftlich zu erkunden. Und dabei noch ihr privates Leben mit ihrem Lebensgefährten und ihrer Mutter besser als vorher umsetzten zu können.
Und so nimmt sie mit Feuereifer ihre Arbeit auf.
Bei der sie durch die Lektüre in den alten Gemäuern der St. Andrews Universität in Schottland, bei der ersten Sichtung der Manuskripte und, von Beginn an, mit düsteren Ereignissen versehen begleitet werden kann. So dass ihr bald schwant, dass es nicht nur um harmlose und längst der Vergangenheit angehörende Text geht.
Doch nicht nur Anya trägt die Handlung. Eine ganze Reihe von Frauen werden im Lauf der Geschichte zu Wort kommen und das Ganze erhält durch entsprechende Perspektivwechsel in Vergangenheit und Zukunft eine immer komplexere Vorgeschichte, die sich in Machenschaften von geheimen Verbindungen starker Frauen entfalten werden.
Machenschaften, die nicht theoretischer Natur sind, sondern ganz praktisch versuchen, in das Weltgeschehen einzugreifen.
Anya ist nicht die erste, die mit der Sichtung der alten Schriften beauftragt wurde. Nur, dass ihre Vorgängerinnen allesamt nicht mehr befragt werden können. Einfach nicht mehr auffindbar. Und das, soviel sei gesagt, nicht aus freien Entschlüssen.
Wie ebenso auf der anderen Seite auch bei Scotland Yard ein weiblicher Detective in der Aufklärung eines Mordes ermittelt. Deren Vorgängerin gestorben ist. Und damit sowohl Anya in den alten Gemäuern und Clio mit den modernsten Ermittlungsmethoden Parallelen aufweisen, ohne zunächst voneinander zu wissen.
Genügend Stoff für Geheimnisse und Verwirrungen somit, die auch Leser und Leserinnen umgehend vor Rätsel stellen. Für die Hinweise klug im Thriller verteilt sind und dennoch eine längere Weile als harte Nuss im Raum stehen, bevor erste Ahnungen sich einstellen, was hinter all dem stecken könnte.
Das Ganze ist sprachlich sehr eingängig umgesetzt hat durchaus Tempo und Spannung, wenn auch die verschiedenen Einschübe anderer Perspektiven am Ende etwas zu viel Raum einnehmen.
Am Ende eine anregende, zum Miträtseln Seite für Seite einladende Lektüre, mit einer sympathischen und Klugen Protagonistin, die trotz mancher Umwege am Ende gut unterhalten hat.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: MacMillan, G.
Titel: Die Bibliothek
Verlag: Blanvalet 2026
ISBN: 9783764510077
M.Lehmann-Pape 2026


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