David McWilliams Money Rezension von Michael Lehmann-Pape

David McWilliams – Money

Geld war immer mehr als nur ein Instrument

Im technischen Sinne ist Geld, in allen Formen und zu allen Zeiten, ein Wertspeicher, ein Tauschmittel, eine Vereinfachung der Mitnahme, des Transports von Werten, statt ständig Wagenweise „Gegenwerte“ in Form von „Dingen von Wert“ mit sich führen zu müssen.

Aber, schaut man wie David McWilliams auf die Weltgeschichte, dann ist Geld natürlich viel mehr als nur ein Instrument. Mit Geld wird Politik gemacht, mit dem „Spiel mit dem Wert“ finanzieren sich Länder und ganze Reiche (und „Ent-Schulden“ sich periodisch über eine massive Entwertung des Geldes), der reine Besitz treibt Menschen an, nicht wenige schienen am eigenen Kontostand nicht nur ihre finanziellen Möglichleiten nüchtern zu betrachten, sondern ihren eigenen Wert als Person damit in Übereinstimmung zu sehen. Und kaum erklärbar ist, dass der Antrieb nach immer mehr und mehr auch und gerade an Geld (als heutzutage nur noch Zahlen auf einem Konto) kein Ende zu kennen scheint.

Und so legt McWilliams in aller Ruhe, argumentativ überzeugend und fundiert in seinem Wissen, mit eine der wichtigsten „Kräfte des Geldes“ vor die Augen von Leserin und Leserinnen.

Dass da, wo Geld auf innovative, neue, Finanzideen trifft, etwas tatsächlich „Wertvolles“ entsteht, das über den Nennwert von Münzen und Banknoten hinausgeht. Sozusagen „kulturelle Investitionen“ bewegen sich einher mit innovativen Entwicklungen der Finanzwirtschaften.

 Was im Kern vor allem darauf beruht, dass der inhärente Gegenwert „vertrauenswürdig“ ist. Das ist die Schattenseite, die McWilliams auch mit vor Augen führt. Da, wo nicht mehr innovativ gedacht wird, wo das Vertrauen in die „Sicherheit des Geldes§ nachhaltig erschüttert wird, da können auch ganze Weltreiche untergehen (wie am Beispiel Roms erläutert wird).

Geld ist somit eine „Macht, die Menschen und Gesellschaften bewegt“. Und deren Kraft zum Guten oder zum Chaos gewendet werden kann. Offenkundig, im Experiment des konsequenten Kapitalismus, erstreckt sich die „Macht-Möglichkeit“ im „Guten“ auf wenige Personen und Gruppen, während die bedrängende Macht des Geldes, die „Schattenseiten“, mehr und mehr des größten Teils der Erdbevölkerung betrifft.

Geld ist somit auch, ganz offenkundig, ein, wenn nicht „Das“ Machtmittel der menschlichen Gesellschaften.

Eine Finanz- und Kulturgeschichte, die McWilliams dann durch die Zeiten hindurch dekliniert, gut lesbar i der Genese der „Geldwirtschaft“ vom einfachen Tauschhandel bis zu hochkomplexen Derivaten und Zinsprodukten. Vom „beherrschbaren und sicheren Geld“ hinzu modernen „Illusionen“ über die Regulierung des Geldes durch Staaten und Zentralbanken und wieviel Spekulation inzwischen „im System“. Wenn nicht sogar alles rundum das Geld der Gegenwart sich im inzwischen rein Spekulativen befindet.

Auch wenn die ein oder andere These McWilliams strittig verbleibt (McWilliams verbindet u.a. die Entwicklung der Evolutionstheorie durch Darwin mit dessen Verlustgeschäften an der Börse) , im Gesamten ist dies ein erhellendes und sehr interessantes Buch über einen Gegenstand, der weiterhin „Sehnsucht hervorruft“ und das allgemein Leben zentral bestimmt, auf der anderen Seite aber als völlig alltäglich und selbstverständlich wahrgenommen wird. Was das Geld am Ende in seiner ganzen Dimension aber nicht ist.

Autor: McWilliams, David

Titel:  Money

Verlag: Goldmann 2025

ISBN: 9783442302307

M.Lehmann-Pape 2026


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