Charmaine Wilkerson – Der Fall Ebby Freeman
Ein Weg zu sich mit Hindernissen
Es ist einiges passiert im Leben der Ebby Wilkerson.
Einiges, was sie aus der Bahn geworfen hat.
Wobei, vielleicht war sie nie wirklich in „ihrer“ Bahn und die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit haben ihr nur nun deutlich die Augen geöffnet?
Auf jeden Fall ist Schweres passiert. Nicht nur aktuell.
Wobie für fast jeden anderen und andere wäre eine schwierige Trennung, die zudem noch von der Öffentlichkeit genussvoll mitverfolgt wurde allein schon Grund genug, sich eine Weile selbst „aus dem Verkehr“ zu ziehen.
Doch Ebby trägt noch mehr an Last mit sich. Lange Jahre, seit ihren Kindertagen bereits.
Ob da am Ende die Wurzel dessen zu finden ist, was der Klappentext auf den Weg gibt?
„Warum ihr Leben einfach nicht so werden will, wie sie es sich ausmalt“.
Entflohen all der Aufmerksamkeit ihres Beziehungsdramas.
„Natürlich hatte sie auf einen Tag wie heute gehofft. Wenn das Leben sie eines gelehrt hatte, dann, dass der Weg eines Menschen immer noch von Momenten der Freude erhellt werden konnte, auch nach einem entsetzlichen Verlust“.
Nach dem Mord an ihrem Bruder vor langer Zeit. Nach dem „Zerbrechen des Krugs“ ihrer Familie, einer schwarzen Familie, die in ihrer amerikanischen mittelbürgerlichen Nachbarschaft an sich schon „beäugt“ wurden. Und dann wird ihr Bruder bei einem Einbruch erschossen, der „Erinnerungskrug“ der Familie liegt zerbrochen auf dem Boden und sie hat dies als Kind miterlebt.
Wobei der Krug nicht einfach ein Haushaltsbehältnis war. Sondern in Handarbeit hergestellt in sich über Zeiten hinweg mit Gefühlen, Erfahrungen, Erkenntnissen des Lebens symbolisch gefüllt worden war.
So, wie dieser Krug zerbrochen ist, so ist auch die Linie des Lebens, hart arbeitend, an sich glaubend, nach vorne, ein wenig „nach oben“ kommend der Familie mit dem Krug und dem Mord an ihrem Sohn zerbrochen.
Und als zwanzig Jahre später Ebby und ihre Familie das Glück wieder in Sichtweite zu haben scheinen, als Ebby bereits in der Kirche für ihre Hochzeit ist, lässt ihr Bräutigam Henry sie an diesem Moment sitzen.
Und als Ebby es nach all den Nachrichten und Geraune weit weggeschafft hat, in ein kleines Dorf in Frankreich. Als Hauswärtin für ihre Freundin, wenn Feriengäste kommen, da kommt….Henry. Mit seiner „Neuen“.
Wilkerson setzt dabei nicht nur diese tatsächlich Persönlichkeits-Erschütternden Ereignisse und Belastungen in den Raum der Seiten, sondern versteht es mit vielen Perspektvi- Und Zeitwechseln, ein gutes Stück allgemeiner „schwarzer“ Geschichte mit der inneren Geschichte Ebbys zu verweben.
Was manches Mal etwas verwirrend ist in den diversen Familien-Episoden und hier und da auch ein wenig zu breit erzählt vorliegt.
Und dennoch vor „Kraft strotzt“. Scheitern ja, auf den Boden geworfen werden, ja.
Aber innerlich aufgeben, sich selbst? Nein.
Und hier reicht der Bogen der „Erstarkung“ Ebbys über die Seiten des Buches hinaus in die Herzen von Lesern und Leserinnen hinein. Mut machend. Und dem Nachnamen Ebbys entsprechend.
Eine nicht einfache, aber lohnende Lektüre.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Wilkerson, C.
Titel: Der Fall Ebby Freeman
Verlag: S.Fischer 2026
ISBN: 9783758700446
M.Lehmann-Pape 2026
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