Ellen Sandberg Rauhnächte Rezension

Ellen Sandberg – Rauhnächte

Ellen Sandberg Rauhnächte Rezension
Schockierende Erkenntnisse zu Weihnachten



Da ist man jung, inzwischen erwachsen geworden und fand das alles zu Hause ganz normal. Wenn auch die ganz tiefe Wärme ein Leben lang fehlte.
Was allerdings nicht nur Pia selbst betrifft, sondern durchaus auch das Miteinander der Eltern. Vor allem gerade jetzt.

Trennung steht an, böses Blut, scharfe Worte fliegen hin und her und, mitten in der Hitzigkeit des Streits wird auch klar, dass Pia beileibe nicht bei ihren leiblichen Eltern aufgewachsen ist.
Was die junge Frau umgehend aus der Bahn wirft, auch wenn so manche Distanz nun eindeutig erklärt vor ihren Augen liegt. Auch wenn ihre Herkunft durchaus „in der Familie“ liegt.

Und doch war doch gerade eben die Welt noch in Ordnung. Einigermaßen, oder?

„„Frohe Weihnachten, Paps“. Sie spürt seine breiten Schultern, seinen mächtigen Körper und für einen Augenblick fühlt sie Sicherheit und Halt“.
Was aber, wenn sie ehrlich ist, immer die Ausnahmen im Leben bisher waren. Die Regel war ein unnennbares Gefühl der Fremde in ihrem eigenen Leben.

Doch nach dem ersten Schock macht sich Pia umgehend in die alte Heimat ihrer leiblichen Mutter im Umfeld von Wasserburg auf. Zumindest will sie nichts unversucht lassen, wenigsten herauszufinden, wer ihr leiblicher Vater war. Und, hoffentlich, noch ist.

Doch was sich anlässt wie ein „Coming of Age“ Roman der Suche nach der eigenen Herkunft entpuppt sich Seite für Seite als ein undurchschaubares Geflecht alter Feindschaften, alter Geheimnisse und alter Schuld. Die um jeden Preis geschützt werden will. Auch um den Preis eines noch jungen Lebens, das zu viele Fragen stellt und zu nahe an alte Geheimnisse rührt.

„Nachts geht hier niemand mehr spazieren“!
Denn es sind auch die Nächte der traditionellen „Geister auf den Straßen“, die im Falle von Pia durchaus reale Gefahren mit sich bringen.

So entsteht von Beginn an eine unterschwellige Spannung, die sich mehr und mehr steigert. Bei der in den Rauhnächten Wasserburgs nicht nur das Wetter eisig ist, sondern auch die Haltung vieler Menschen, denen sie auf der Suche nach ihrer wahren Identität begegnet, denen sie Fragen stellt ist ebenso eisig. Feindlich. Argwöhnisch. Verschwiegen.

Und wie sollte sie nach 18 Jahren, mit nur rudimentären Erinnerungen, widerlegen, was ihr im Lauf der Ereignisse vorgeworfen wird?

„Doch so war es nicht gewesen. In ihren Träumen wurde sie gejagt!“.

Und nun, gerade zum Ende des Thrillers hin, nicht nur in ihren Träumen von damals.

So verbindet Sandberg in guter Weise eine alte Geschichte mit schwierigen Gefühlen mit ebenso alten Traditionen in einer düsteren, winterlichen Atmosphäre, was insgesamt eine flüssige, geheimnisvolle und recht spannende Lektüre ergibt.

M.Lehmann-Pape 2025


Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Sandberg, E.
Titel: Rauhnächte
Verlag: Penguin Random Huse
ISBN: 9783328604372


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