Fantasy, Science – Fiction
Tad Williams – Other Land
Mit epischer Breite flüssig erzählte Science-Fiction-Fantasy
Im Auftakt seiner neuen Reihe bietet Tad Williams eine Mischung aus Fantasy, Science-Fiction, Thriller und bildkräftige Verweise auf die „neue, virtuelle Wirklichkeit“ in überzeugender Manier.
Wer es ausladend, aber keinesfalls langweilig mag.
Wer „Queste“ liebt und den Mix von Fantasy und (mit realen Facetten versehene) Science-Fiction, der ist hier genau richtig.
Tad Williams hat die „virtuelle Welt der Online-Games“, ergänzt mit Simulationen der realen Welt (eine nicht unerhebliche Geldquelle für die Betreiber“ verbunden mit Herausforderungen für die verschiedenen Hauptpersonen und einem sich immer mehr zuspitzenden Kampf gegen „dunkle Mächte“ (die keine Dämonen, sondern handfeste Macht-Menschen sind) verbunden.
Da ist Paul.
Der nicht weiß, dass er virtuell unterwegs ist, für den alles, was geschieht, real ist und der damit an die Grenzen des Wahnsinns gerät.
Intensiv schon auf den ersten Seiten geschildert zunächst an der Front im ersten Weltkrieg.
Dann in „anderen Sphären“ unterwegs, bis er sich in einem merkwürdigen Königreich wiederfindet und einen Bischof aufsucht, der alles andere als fromm daherkommt.
Dessen beiden Mitkämpfer im Graben sich ebenfalls als anders als gedacht herausstellen werden, so dass Paul über lange Zeit einfach genug damit zu tun haben wird, immer wieder überhaupt zu überlegen. Egal in welcher Welt er sich gerade befindet.
Das ist Renie.
In der realen Welt Dozentin an einer TH. Eher ein kleines Licht.
Die einen „Ureinwohner“, !Xhabbi (der bis dahin ohne jede „Virtualität“ durchs Leben kam) mit der „moderne“ bekannt zu machen hat, sich mit diesem aber dann in einem harten Kampf gegen „das Netz“ wiederfinden wird.
Und die höchst erschrocken feststellen wird, dass keine ihrer Spuren so gut verwischt werden kann, ohne dass die Datenkrake sie finden könnte.
Deren Bruder im „Knoten“ und einem Club darin etwas furchtbares erlebt haben muss.
Mit Folgen für die reale Welt, er fällt ein unerklärliches, durch nichts zu durchbrechendes Koma.
Rene wird auf die harte Weise feststellen müssen, dass auch hinter der bunten Simulationsfassade reale Gefühle, Bedrängungen, Bedrohungen, Angst und Panik erlebbar sind.
Was Orlando schon hinter sich hat. Auf andere Weise. Denn er, der „König“ und beste, anerkannteste, gefragteste Kämpfer mit Schwert und Magie wir ohne Erklärung herausgerissen aus dieser ihm bis in die letzte Körperzelle vertraute Kampf-Welt.
Das hinter all dem Kräfte stecken, die virtuos Bits, Bytes und Daten beherrschen, die nicht nur die virtuelle, sondern auch die reale Welt formen, in der das Gros der Menschen, wie in der „Matrix“, ahnungslos manipuliert werden, das ahnen Leser und Leserinnen nach einer Weile durchaus.
Und folgen dennoch gerne der breiten, flüssigen, anregenden Erzählweise Tad Williams, der jeder seiner Figuren Dreidimensionalität und Leben einhaucht.
Und das eher auf die „Stephen King“ Art. Nicht durch ausschweifende Reflexionen oder innere Monologe seiner Figuren, sondern durch die enge Begleitung derselben in ihren Handlungen, Erlebnissen, Bedrängungen, Gefahren und Erfahrungen.
Eine lange, gute und empfehlenswerte Lektüre.
Die nicht nur in den Sog zieht, sondern vielfache Blicke auf die aktuellen Entwicklungen der KI und des digitalen Fortschritts an sich wirft.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Willams, T.
Titel: Other Land
Verlag: Klett-Cotta 2026
ISBN: 9783608967388
M.Lehmann-Pape 2026


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