Alexander Smoltczyk "Lissabon 1941" dtv 2026

Alexander Smoltczyk – Lissabon 1941

Alexander Smoltczyk "Lissabon 1941" dtv 2026

Alexander Smoltczyk – Lissabon 1941

Nicht nur ein Blick in die Geschichte

An Brennpunkten der Geschichte bündelt es sich. Die Linien der konkreten Ereignisse. Das, was Menschen antreibt, ausmacht und wie Menschen sind. Und das zeigt sich, bedauerlicherweise, in fast kristalliner Form in den Kriegen der Menschheit.

In all den Grausamkeiten, dem Töten, dem Elend, den Verbrechen des zweiten Weltkriegs ist Lissabon ein Ort gewesen, in dem zwar nicht der Krieg in seiner brutalsten Form, aber die Schicksale jener Tage, die Interessen der Zeit selbst, geballt aufeinandertrafen.

Jenss Lissabon, das 1941 weitab der Fronten war, aber in Folge der Fronten und des Krieges aus allen Nähten platzte. Flüchtlinge vieler Nationen, Spione und Agenten, Kriegsopfer und Kriegsgewinnler, Ausrüster der Heere. Teils offen, teils unter dem Radar, in der Masse eher anonym, aber auch durchsetzt mit nicht wenigen VIP´s jener Tage turnte, wankte und lebte Lissanbon 1941 in einem Trubel sondergleichen.

Was Smoltcyk biographisch lebendig, mitreißend, empathisch und dennoch komprimiert vor Augen zu führen versteht. Er bietet keine „Stadtrundfahrt“, sondern eine „Schicksalsfahrt“ durch die Jahre 1939 bis 1942 Lesern und Leserinnen an, die auf den Punkt in den konkreten Personen Hoffnungen, Nöte, Ziele, zerbrechende Lebensläufe oder auch an die Macht gespülter Interessen im Lauf der Lektüre vereinigt.

Juden, vertriebene Künstler, politisch Verfolgte, selbst Otto von Habsburg als ehemaliger Monarch geben sich im Buch die Klinke quasi in die Hand und finden sich, einige Jahre vorher geographisch und gesellschaftlich meilenweit voneinander entfernt, in diesem Schmelztiegel wieder.

Warten auf Fluchtmöglichkeiten in die Freiheit. Suchen wichtige Stoffe, Hadern mit ihrem Ergehen oder planen forsch die eigene Zukunft. In einer Zeit, in der alles Sichere unsicher und alle Klarheit im Chaos gestrandet war.

„Im Estoril bringen sich weitere schillernde Figuren in Stellung. Am Empfang füllt das …angereiste Ehepaar das Meldeformular aus – wenn auch nicht ganz vollständig. Als Tätigkeit hätte Fidrmuc „freischaffender Meisterspion“ schreiben müssen“.

Während Josephine Baker und Jaques Abtey vom Deuxieme Bureau einige Zeit vorher schon Order bekamen, nach Lissabon zu reisen. Denn Lissabon sei eben nach dem Fall Frankreichs ein idealer Anlaufpunkt für Agenten. Inklusive im Übrigen einer Außenstelle der NSDAP, die weder auf der Jagd nach Rohstoffen noch im Feld der Spionage sich fernhalten würde.

Auf der Reise durch die Jahre und in Lissabon trifft man viele bekannte Personen der Zeit, deren Name bis heute noch Klang haben und erhält im Lauf der Lektüre ein klares Gefühl und viele Informationen, um in diese Zeit und die Stadt zu dieser Zeit tief eintauchen zu können.

Sehr lesenswert.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Smoltzyk, A.
Titel:  Lissabon 1941
Verlag: dtv 2026
ISBN: 9783423285513

M.Lehmann-Pape 2026


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