Ande Pliego – Mit tödlichen Grüßen

Bekanntes Setting, frisch und neu erzählt

Ande Pliego – Mit tödlichen Grüßen

Bekanntes Setting frisch und neu erzählt


Dass sich eine überschaubare Gruppe von Menschen an einem abgeschiedenen Ort zusammenfindet, nur um dann festzustellen, dass ein Mörder sein Unwesen treiben wird, dass ist nicht neu und als Setting durchaus bekannt. Wobei der Reiz, und das tatsächlich immer wieder aufs Neue, gerade in der Begrenzung von Personen und Geographie, auch hier wieder seinen ganz eigenen, spannungsvollen Charme, versprüht.

Wer steckt dahinter? Ist es eine Person aus der Gruppe, ist es der mysteriöse Gastgeber, ist es seine noch unbekannte und dennoch ebenso anwesende Person?

Ande Pliego widmet sich dem mit Verve und, vor allem, einem differenzierten Tiefgang in und durch die Abgründe der Personen selbst. In dem immer neue Seiten zum Vorschein kommen, alte Geheimnisse aus der Verborgenheit hier und da ins Licht schon blinzeln und immer wieder kleine bis größere Überraschungen, teils schon gruselige Momente und eine ständig im Hintergrund lauernde Gefahr und Spannung die Lektüre nur so verfliegen lassen.

Beginnend mit einer stark an Cluedo erinnernden Karte des „Wolf Harbor Estate“ und damit direkt mit der Einladung an Leser und Leserinnen, sich mit auf den Weg der Lösung des Falles zu begeben. Und einer schon in den Bann ziehenden Einleitung durch J.R.Alastor, den Gastgeber der Gruppe, hocherfolgreicher Thriller-Autor, der durch das Geheimnis um seine Person, um seinen völlig „nicht-öffentlichen“ Lebensstil, ebenso als Autor selbst fasziniert und von vielen raunenden Geschichten umgeben ist, wie seine Thriller.

Eine Einleitung, die in bester Weise den Ton für den gesamten Roman setzt.

„Meine Theorie lautet, dass der Mörder im Dunkeln, das Ungeheuer im Haus, ein Spiegel unserer selbst ist. Wenn wir davon lesen…………..haben wir das schaurige Gefühl, uns selbst in die Augen zu sehen“.

Eine Erkenntnis, die am Ende der Lektüre vielleicht nicht immer sachlogisch reflektiert in den Raum tritt, aber emotional auf jeden Fall in den Bann zieht. Denn man ertappt sich durchaus dabei, dass in den inneren Befindlichkeiten der Personen ein Teil auch eigener dunkler Seiten durchaus zum Schwingen gebracht wird.

Samt den treffend kommentierenden Überschriften über jedes Kapitel schafft Pliego zugleich eine Meta-Ebene, die ankündigt, was passieren wird („Mord und Gemetzel“) und dennoch im Stil und in den Ideen dafür sorgt, dass immer wieder die Lücke zwischen den Buchstaben auf den Seiten und dem Erleben von Lesern und Leserinnen mühelos verschwimmt und man sich mittendrin in den Abläufen und der Psychologie all dessen wiederfindet.

Was verstärkt wird durch die Erzählung aus den wechselnden Perspektiven der Gäste heraus, die jede der Personen Schritt für Schritt, auch im Bösen, vertraut werden lassen.

„Oft spielen dunkle Geheimnisse eine Rolle, Lügen und Intrigen, in deren Folge es zu Loyalitätskonflikten kommt“.

Bis hin zum hervorragend getimten und überraschenden Finale eine hervorragende Lektüre. Die, mitsamt der Kommentierungen, ebenso klar aufzeigt, dass Pliego das System des klaustrophobisch-blutig-tödlichen Thrillers nicht bestens verstanden hat und erkären kann, sondern ebenso hervorragend zum Leben erweckt.


Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Pliego, A.
Titel: Mit tödlichen Grüßen
Verlag: Limes 2025
ISBN: 9783809027997

M.Lehmann-Pape 2026


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