Richard Price - Lazarus Mann - Rezension M.Lehmann-Pape

Richard Price – Lazarus Mann – Rezension

Richard Price - Lazarus Mann - Rezension M.Lehmann-Pape

Richard Price – Lazarus Mann

Intensive „Individuen“ – Studie

Anthony, klassischer New Yorker, sprich im besten Alter, geschieden, nebenbei arbeitslos, die Kokain-Sucht gerade überwunden.
Und aufgrund der finanziellen Lage, gegen seinen Wunsch, im Appartement der verstorbenen Eltern Leben, drängt es heraus.

Das ist keine Stadt, in der man allein zu Hause sitzt. Denn inmitten des brodelnden Lebens kommt einem dann Einsamkeit härter an als anderswo.

Also, auf und durch die Bars der Umgebung.
„„Clowns verarschen niemanden“…, dachte aber: Doch, ich hab´s gerade getan““.

Und erhält noch eine Art religiöses Erlebnis, bevor er zu Hause wieder anlangt.

Felix, Mitte zwanzig, lebt mit und für seine Nikon.
Er filmt, was an Alltag auf ihn zukommt.
Er hält sich fest an der Kamera. Er schafft Distanz gegenüber der Welt. Es lindert seine Unsicherheit. Und was ihm da alles vor die Linse kommt….

Schon im „Brownstown Haus“, in das Appartements hineingequetscht wurden. Und das ganz bestimmt nicht für die Reichen der Stadt.

Schon da lässt Price ein Kaleidoskop auf den Punkt gezeichneter Gestalten auftauchen, die New York in der Breite zu bieten hat.

Denn das ist das eigentliche Thema des Romans. Weniger das (spätere) „Wunder“.
Viel mehr sind es die, mal alltäglich lebenden, mal ins grellste überzeichneten, mal ganz untern sich befindende Menschen, die die Seiten des Romans bevölkern.

Weder Lebenskünstler noch „bunte Vögel“, sondern vom Leben geprägt, geformte, gezeichnete Männer und Frauen, die vielfach in ihrer ganz eigenen Welt leben.

Wie der Bestatter, der gerade zum Zombie mutiert. Für eine Gage.
Und, wie New York es quasi vorgibt, überall versucht, noch ein Geschäft anzubringen.
Auch da, wo ein ganzer Wohnblock von jetzt auf gleich sich pulverisiert.

Während Detective Mary Roe, ein „Rookie“ im Roman die Stimme und das Handeln der „Normalität“ vertritt.
In fast ausweglosen Versuchen. Aber immerhin handfest, gestanden und nicht selten irritiert von all dem, was ihr begegnet.

Für all dies ist jene Nikon eine gut gewählte Linse ist. Vor und hinter der Kamera natürlich, denn auch Felix wird im Lauf des Geschehens gut bekannt werden.

Vor allem nach dem Unglück.
Das Opfer fordert.
Das das ganze Viertel in Bewegung bringt und einen Mann in den Mittelpunkt rückt.

Einer, der gegen jede Wahrscheinlichkeit das Epizentrum der Explosion bestens überlebt hat. Oder auferstanden ist von den Toten?

Anthony überlebt. Und erhält, natürlich, immense Aufmerksamkeit.

Vier Hauptpersonen, begleitet von vielfachen Nebenfiguren, allesamt differenziert und präzise beobachtet.
Die die „moderne Welt“, mit all ihren Extremen, in sich tragen.
Und dabei auf den Punkt von Price erzählt werden.

Eher ruhig und gemächlich im Tempo, dringt Price tief in seine Figuren und das Brennglas moderner Gesellschaften, New York, ein.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Price, R,
Titel: Lazarus Mann
Verlag: S.Fischer 2026
ISBN: 9783103977110

M.Lehmann-Pape 2026

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert