Evan Osmos- Yacht oder nicht Yacht-Rezension

Evan Osnos – Yacht oder nicht Yacht – Rezension

Evan Osmos-Yacht oder nicht Yacht-Rezension M.Lehmann-Pape

Nicht unbekannt, aber immer wieder erschreckend

Am Ende des Tages ist es einfach der Tanz um das goldene Kalb. Was die Menschheit anscheinend immer wieder zutiefst umtreibt. Was am Ende aber auch ebenfalls immer echte, Solidarische Gemeinschaft mit einem Auskommen für alle unmöglich macht.

Wobei Osnos nicht an Oberfläche verbleibt (die aber schon lesenswert genug wäre).

Wenn er darüber berichtet, wie jeder Meter mehr Yacht für Superreiche Statussymbol ist. Wie für kleine Kinder. Aber eben auch, wie damit vermeintliche Sicherheiten geschaffen werden sollen (ebenso, wie in den ausgemusterten Raketensilos Amerikas weitläufige Wohnanlagen für Superreiche entstehen. Atombombensicher natürlich).

Und wie entlarvend führt Osnos vor Augen, was das eigentlich soll und wer wirklich meint, so bedeutend als Person zu sein, dass er oder sie unbedingt nachher durch eine Apokalypse irren müsste.

Wenn vor Augen geführt wird, wie Pop- und Rockstars von Weltruhm, natürlich für höchstmögliche Gagen, auch mal auf einer Yacht für einige Personen einer Familie ein Konzert geben.
Oder, trotz oder wegen ihrer rotzigen „Systemabneigung“ Haltung mal schnell eine Betriebsfeier einer Investmentbank bespaßen, dann weiß man einfach, dass jede Fingerbewegung auf dieser Welt, jede Handlung, alles, was ist, inzwischen mit einem Preisschild versehen wurde. Zum Nutzen weniger.
Und, am Ende, zum Schaden aller.

„Der tiefste Antrieb ist jedoch nicht der Besitz von Dingen, sondern der soziale Status, den diese Dinge vermitteln“.

Am Ende liest man aus dem Buch heraus, dass es da „ganz oben“ wohl nicht wenige Persönlichkeiten mit tief beschädigten Egos ihr (Un-) Wesen treiben.
Mit inzwischen genügend monetärer und politischer Macht, die komplette Welt in Bedrängung zu bringen.

Bis zum möglichen Untergang hin. Nicht, weil es um lebenswichtige Ressourcen für Kulturen gehen würde, sondern nur darum, wer denn „der oder die „Größte“ wohl ist.

„Stauts kann frustrierend vergänglich sein“. Stimmt.

Aber wo sind die Zeiten hin, in denen auch menschliche Werte zum Status verhalfen statt Yachten oder Devotionalien, die nichts, aber auch gar nichts für die Welt an sich austragen?

Und allem voran das „Land des schönen Scheins“, in dem die führenden Persönlichkeiten vor allem ihr Wissen nutzen, um den persönlichen Reichtum zu mehren.

Was nutzt es da, wenn Schwergewichte wie Greg Smith, ehemals leitender Direktor bei Goldman Sachs, zurücktrat?
Angewidert vom „Verfall der moralischen Grundsätze des Unternehmens“.

Das Buch liest sich flüssig, ist hervorragend recherchiert und bietet auf jeder Seite Aha-Erlebnisse. Es ist nicht Osnos Aufgabe, Gegenkonzepte zu erstellen. Er beschreibt einfach fundiert, was ist.

Mit der, wichtigen, Erkenntnis, dass das wohl immer schon ein wichtiger Antrieb für Menschen war. Seit etwa 2020 aber jedes Maß verloren hat und völlig ungehemmt sich nun Bahn gebrochen hat.

„Erfolg ist wie eine Droge“. Und während in langen Zeiten der Geschichte zwar Reiche reich waren, aber immer noch „in Sichtweite“ agierten, scheinen nun alle Beschränkungen und jede soziale Norm „da oben“ vernichtet zu sein.

Ein höchst lesenswertes Buch, um das „Innere“ des materiellen Weltgeschehens zu begreifen.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Osnos, E.
Titel: Yacht oder nicht Yacht
Verlag: C-H-Beck 2026
ISBN: 9783406844003

M.Lehmann-Pape 2026

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert