Kurt Prödel – Salto
Wenn ein „gemeinsam ab ins Leben“ doch einfach wäre…
…..ist es aber nicht!
Könnte man sagen und Punkt.
Doch Kurt Prödel weiß weit mehr zu erzählen, als nur den Fakt, dass an der Grenze zwischen Jugend und sich seinen Weg ins erwachsene Leben bauen meist nicht nur die Schulzeit endet.
Gewohnte Abläufe, ein vertrauter Rahmen, die Schule, „in der man sich (einfach) sieht“. Freunde, Clique, Kleinstadtleben, und jetzt?
Der eigene Traum, seit Jahren innerlich verfestigt, eines Medizinstudiums, trotz aller Anstrengung und Qualität, es reicht einfach nicht.
Und ohne Rahmen und Ziel, nach dieser wichtigen Etappe des Lebens, da ist ein Abrutschen fast vorprogrammiert, wenn man keinen Plan B hat.
Das Handy, die sozialen Medien, das gewohnte Jugendzimmer in der Wohnung im tristen Umfeld, Marko geht in den „Lebensstillstand“.
Auch emotional, denn seine Liebe der letzten Jahre macht es anders.
Claire geht. Raus aus dem Muff der engen Straßen. Hinein in die verlockenden Ideen vom „Abenteuer des Lebens“
Und ehrlich, wer kennt das nicht? Auch wenn immer noch viele die sofortige Forstsetzung des Wegs angehen. Ausbildung oder Studium. Immer mehr im Lauf der Jahrzehnte schieben dann doch ein „Orientierungsjahr“ ein.
Nicht wenige brechen erste Wege schnell wieder ab.
Und ebenso eine erkleckliche Zahl von jungen Menschen verharrt, mehr oder minder lang, wie erstarrt vor den Herausforderungen.
Und, auch das ist nicht neu, wie viele „große Jungendlieben“ überstehen das „Ende der Jugend“ wirklich?
Kurt Prödel wählt ein Thema, und erzählt dies auf seine interessante, sprachlich wunderbare und präzise Weise, das akut ist. Verbreitet.
Dass aber auch bei älteren Lesern eigene Zeiten massiv wieder vor Augen erstehen lässt.
Die Grundzüge sind vertraut.
Ein „Coming auf Age“ der nicht leichten Art, mit dem jeder Leser und jede Leserinnen umgehend eine innere Beziehung herstellen kann und damit mitten hinein eintaucht in die Welt der Ereignisse des Romans.
Wobei nicht jeder oder jede einen solch opferbereiten, klugen und lösungsorientierten Vater haben wird oder hatte, wie Marko.
Denn ihm wird ein Weg ermöglicht.
Auf dem es aber auch gilt, sich nicht zu verlieren. Sich selbst nicht und Claire nicht.
Und doch geht nicht gut, was zunächst erhofft worden ist.
Und auch damit trifft Prödel es Seite für Seite auf den Punkt.
Dass man noch so zielgerichtet sein kann, noch so „geplant“ die Dinge des Lebens angehen möchte.
Das Leben an sich geschieht (fast immer) anders. Anstrengender. Krankheiten müssen getragen, finanzielle Nöte geschultert, in fremden Welten sich zurechtgefunden werden.
„Kurz war alles schwarz. Ich fühlte mich, als hätte man mich zusammengefaltet und durch die Luft geworfen“.
Ob die Badewanne da am Ende retten kann? Oder ob es weitergeht wie hinter dem Boot auf einer aufgeblasenen Banane durch das Wasser reitend?
Ein Roman, der auf den Punkt trifft, was das Weltgeschehen gerade aktuell für viele junge Menschen in den Raum des Lebens wirft. Und bestens zu lesen.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Prödel, K.
Titel: Salto
Verlag: Ullstein 2026
ISBN: 9783988160706
M.Lehmann-Pape 2026
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