Thomas C. Breuer – Gesünder kränkeln
Kritische Prüfung aktueller „Heils-Angebote“
Ein wenig irreführend ist der Titel schon. Als ginge es um eine freundlich-sanft-ironische „Läuterung“ von Hypochondern.
Oder, wie einst Watzlawick mit seiner „Anleitung zum unglücklich Sein“ um, wenn schon ständig um sich besorgt und täglich bei „Dr. Google“ unterwegs, dass dann wenigstens „professionell“ ins Leben bringen.
Doch das Thema des Werkes ist ein anderes.
Und eine wichtiges in einer Zeit, in der es an klaren und eindeutigen Orientierungen fehlt und in einem „Jeder nach seiner Facon“ die Suche nach Glück, Gesundheit und Wohlbefinden ob der hunderte möglicher und entschieden vorgetragener „Heilswege“ leicht verwirren oder hin- und herwerfen kann.
So prüft Breuer, in durchaus lockeren und gut zu lesenden und zu verstehenden Ton (auf Dauer allerdings auch leicht störend gewollt „super locker“), die „Welt der Heilsangebote“, die von allen Seiten ihre Stimme auf dem Marktplatz von Glück und Gesundheit laut werden lassen.
Sei es die zigfachen intensiven bis exzessiven „Sport-Bewegten“, der „Küche und Wein-Kultur“ auf die Spitze getrieben oder „Positiv-Denken“ oder „Yoga als Lebenshaltung“, oder, oder, oder.
Was aber auf keinen Fall sein darf, ist „Langeweile“, das ist die größte Sünde der „Lebensverschwendung“.
Aber es gilt eben auch (oder hängt damit gar eng zusammen“, was Breuer pointiert formuliert:
„Die Forderung nach geringerer Arbeitszeit kollidiert mit der Tatsache, dass viele Leute schon jetzt nicht wissen, wie die die Zeit totschlagen sollen“.
Die innere Suche nach etwas von Wert und Nutzen, deren traditionelle Füllung durch gesellschaftliche Konventionen und ethische Vorgaben sich weitgehend ins Nichts aufgelöst hat, verbunden mit viel „Zeit für sich“ und dem Druck, diese „wichtig“ nutzen zu wollen und zu sollen führt zu einem Überangebot an „Sinnstiftungen“ im Vakuum des Alltags.
Es stimmt, was Esther Pauchard formuliert: „Menschen brauchen wieder (wie immer!) Boden unter den Füßen“.
Den Breuer in guter Weise nicht plakativ und direkt als „weiteres“ Angebot unter Hunderten Angeboten nun noch als nächstes dazu gibt.
Sondern von „A wie Angeln“ bis „Z wie Zen“, über Mode-Kult, „Urban-Chickening“, „Vitamin-Hörigkeit“ oder „Low-Carb“ bis „Shopping“ und jeder Menge mentaler, körperlicher, Sinn versprechender oder Gesundheit garantierender „Heils-Wege“ führt er Leserinnen und Leser, vergnüglich im Ton, übertreibend und dabei doch die wunden Punkte treffend, durch die vermeintlichen Antworten auf eine der existenziellsten Fragen menschlichen Seins:
„Warum bin ich da? Wofür das alles? Und was macht wirklich Sinn“?
Eine sehr zu empfehlende Lektüre, wenn auch der Ton doch stark an „Comedy“ erinnert.
M.Lehmann-Pape 2026
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