Kristof Magnusson Die Reise ans Ende der Geschichte Klett-Cotta Verlag

Kristof Magnusson – Die Reise ans Ende der Geschichte

Kristof Magnusson Die Reise ans Ende der Geschichte Klett-Cotta Verlag

Kristof Magnusson – Die Reise ans Ende der Geschichte

Naive Hoffnungen, bitteres Leben und hintersinnige Verwicklungen

Es war die Zeit, in der die Welt wie aufgeatmet wirkte. Natürlich gab es Probleme. Wie immer. Und hier und da wirtschaftliche Schwächen. Und hohe Kosten, den „eisernen Vorhang“ möglichst gut zu überwinden (was in Gänze im Rückblick nicht wirklich gelang).

Aber doch Optimismus allenthalben.
Der kalte Krieg Geschichte, die ehemalige Sowjetunion im Trudeln und sich neu finden, erfinden müssen. Die Mauer niedergerissen. Die Hasardeure umgehend für „gute Geschäfte“ (natürlich nur für und in die eigene Tasche) im östlichen „Eldorado“ unterwegs.

Frieden. Ein friedlich herbeigeführter Friede. Der vermeintliche Sieg des Kapitalismus für eine nun Schritt für Schritt „schöne neue Welt“.

Eine Zeit, in der Jakob Dreiser, Literat und Künstler, Höhen erlebt. Sein Oeuvre wird gefeiert, vor allem in Rom und auch auf hohem, diplomatischem Parkett ist er ein gern gesehener Gast.

Aber schon der Beginn des Romans zeigt, manches in der Hoffnung auf nun nur noch gute Zeiten trügt von Beginn an.
Dieter Germeshausen, Spion (nicht nur für eine Seite), „merkte nicht sofort, dass man ihn vergiftet hatte….ihm wurde vielleicht ein kleines bisschen wärmer, als er gewohnt war“.
Was ihm 1995 in Kasachstan an der Hotelbar als Schicksal ereilt. Wo er, nicht unbedingt zufällig, er kann sich nur nicht recht erinnern, mit jenem Jakob Dreiser zusammensitzt.

Er, der „Held, der Pechvogel, der biedere Beamte, der unbekannte Spion“.

Da aber Magnusson mit viel Humor, einer Mischung aus stiller, wunderbarer Heiterkeit bis hin zur handfesten Komödie erzählt, ist in diesem Moment vielleicht noch nicht aller Tage Abend. Auch nicht für den Spion und Doppelagenten Germeshausen.
Der hektisch daran denkt und arbeitet, wie er aus dem Schlamassel, der sich vor ihm auftürmt, mit Hilfe des Dichters wohl herauskommen könnte.

Der, wer konnte das denn ahnen, mit echter Begeisterung und Hingabe, aber nicht mit sonderlich viel Geschick, die Welt der Spione als Abenteuer des Lebens angeht.

Eine gemeinsame Geschichte bis hin zu jenem Militärgelände und jenem Vizadmiral, die den Rahmen für das Finale des Romans bereitstellen. Ein Ende, das wie ein Anfang daherkommt und doch viel Geschichte bereits erlebt hat.
An deren Ausgang Francesca, Italienerin, Fremdsprachenlehrerin. Und mit gewissen Kontakten versehen, sehr mitwirken wird.

Wobei die Geschichte selbst vielleicht gar nicht so wichtig ist für das Erleben dieses Romans.
Die fein gezeichneten Figuren, die präzise Authentizität der Zeit, die auch in den Personen wirkt.
Der Roman hätte allerdings allgemein mehr Tempo und, tatsächlich, mehr Action verdient gehabt, um ihn zu einem echten Pageturner zu gestalten.
So bleibt er zwar mit Stil bestens erzählt, es ist nicht einfach, im Ablauf der Ereignissen die Spannung aufrechtzuerhalten.

Dennoch eine lesenswerte Lektüre.

Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 9783608966688

M.Lehmann-Pape 2026

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