Alexander Kühn – Älterwerden für Anfänger
Sich „eingewöhnen“ ins „Alter“
Elmar Hörig, der „(Radio) Held“ der Jugend ist auch nicht mehr das, was er mal war. Und das meint Alexander Kühn nicht nur, was Erfolg, Bekanntheitsgrad oder Vitalität angeht.
Sondern eher so, dass zumindest dieser prominente Mann irgendwie, in Kühns Augen, „die Kurve“ nicht gut genommen hat.
Was allerdings, siehe unter anderem auch bei seinen Begegnungen in späteren Zeiten des Lebens mit Thomas Gottschalk (aber auch dem ein oder der anderen ehemals „leuchtenden“ Person des „Rampenlichts“), beileibe nicht nur auf Elmar Hörig zutrifft.
Begegnungen, die für Kühn wichtig sind. Eigentlich für seine eigene Haltung, sein eigenes „Inneres“ entscheidendes in sich tragen bei seiner „Eingewöhnung“ in den „Rest des Lebens“. Nun mit Vollendung des 50. Lebensjahres.
„Die Herausforderung besteht darin, mit seinen Begrenzungen zurechtzukommen. Dazu muss man sie sich erst einmal eingestehen. Das tut weh, doch der Schmerz lässt nach“.
Was Kühn nicht leicht fällt.
Nicht nur wegen der eigenen, körperlichen Alterung.
Sondern weil er „die alte Welt“, sein Leben bis zu diesem Punkt, einfach mag. Darin verwurzelt ist. Sich schwer damit tut, dass nun für ihn ein wohl ganz anderer Lebensabschnitt ins Leben tritt.
Das ist der eine rote Faden im Buch, der gar nur insofern mit dem Titel „Älterwerden“ zu tun hat, als dass er von (schönen) Erinnerungen getragen wird. An Kindheit und Jugend, an den Weg, seinen Platz in der Welt zumindest im äußeren Leben zu finden. Aber dafür gilt eben auch, so sehr er Hamburg und seine Wohnung (ein Traum junger Jahre) schätzt, dieses Gefühl von echter Heimat, von innerer Verbundenheit an die Straßen, die Cafés, die Atmosphäre, das sind andere Orte, die da in seinem Herzen lebendig sind. Andere Bindungen.
Erinnerungen an das eigene, jüngere und auch Kind-Ich treten vor Augen. Und damit wird für ältere Leser zugleich eine Zeitreise in eine tatsächlich vergangene Welt vollzogen. Die umso erstaunlicher ist, ob der zunehmenden Geschwindigkeit der Welt, wie kurz das eigentlich her ist und wie weit das schon davon getrieben ist, ohne großartige Spuren für die Gegenwart hinterlassen zu haben.
Aber das Innere drängt nun (nicht nur Kühn).
Die Zahl des Geburtstags ist da nur ein Symbol, zu einer echten Akzeptanz und einer Haltung dazu, wie er sich nun sehen, gestalten, erleben möchte.
Und da hilft der zweite Strang des Buches. Die Begegnungen mit Menschen, denen er beruflich früher bereits begegnet ist, die er auf dem „Höhepunkt“ kennenlernte und nun sieht und erlebt, was einem guten Älterwerden im Wege steht (Hineinsteuern in teil abstruse Haltungen, einfach darauf zu beharren immer derselbe bleiben zu wollen (oder das nicht ändern zu können) und damit fast peinlich „aus der Zeit“, vor allem aber aus seinem eigenen Alter herauszufallen).
Wie ebenso manche Begegnungen wohltuend aufzeigen, wie das denn geht. Mit sich selbst aktuell zu bleiben, sich verändern zu können, ohne sich „Zeitgeistern“ pseudo-juvenil ständig an den Hals zu werfen.
Auch wenn die Erinnerungen an „eigene gute alte Zeiten“ etwas zu sehr im Buch zu Wort kommen und das eigentliche Thema ja gar nicht das „Alter“ ist, sondern eher die Fähigkeit, mit sich selbst durch verschieden Phasen des Lebens zu gehen, gut zu lesen und mit einigem Gewinn auch für den eigenen Weg versehen ist das Buch auf jeden Fall.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Kühn, Alexander
Titel: Älterwerden für Anfänger
Verlag: DVA 2026
ISBN: 9783421070548
M.Lehmann-Pape 2026
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