
Jens Lapidus – Stockholm Blues
Eher Familiengeschichte als Thriller und dennoch spannend
Es ist schon viel passiert um Teddy, der in den Vorgängerbänden als V-Mann in der, immer härter und gnadenloser agierenden Stockholmer Unterwelt, zunächst als Spitzel eingesetzt war, der aber etwas an sich hat, dass Menschen ihm eine gewisse Sympathie entgegenbringen. Auch harte Männer.
So hat er sich vom Kleinkriminellen über den Spitzel (was zu einem Glück nicht allgemein bekannt wurde) immerhin nun zu einem „respektierten“ Mitglied der dunklen Seite der Stockholmer Gesellschaft „hingearbeitet“.
Noch in obere Gefilde, aber mit seiner eigenen kleinen „Filiale“.
Doch schon seit geraumer Zeit, seitdem Kerim Celali sich an die Macht mit aller Härte brachte (der nun im Gefängnis sitzt).
Eine Härte, die Teddys jungen Neffen das Leben gekostet hat. Durch den Sohn Kerims, Max (der auch in diesem Thriller eine wichtige Rolle spielen wird).
vor allem aber, seitdem Ibbe das Sagen hat, wird das alles für ihn unerträglich.
Und nun hat das alles ein Ende für ihn erreicht. Als Ibbe ihm einen unmissverständlichen Auftrag erteilt. Wobei bei Ibbe immer klar ist, entweder ist das Objekt des Auftrags tot. Oder der Auftragnehmer, wenn er versagt.
Dass dann auch noch Teddy die Finger nicht von einer bestimmten jungen Frau lassen kann, die ihn nach allen Regeln der Kunst verführt, ist der letzte Tropfen in das Fass, das ihn sein Leben kostet, auch wenn er mit dem Leben gerade noch davonkommt.
Während seine inzwischen getrennte Langzeitfreundin und Mutter seines Sohnes in Teddys Familiengeschichte ein Geheimnis beginnt aufzudecken, dass auch sie ins Fadenkreuz von Mächten geraten lässt, mit denen man sich besser nicht anlegt.
Während ihre und Teddys Freundin Josephine sich selbstständig macht. Nur vorgeblich mit einer legalen Geschäftsidee. Was ihrer anberaumten Eheschließung und dem Schweigervater ihres Lebensgefährten nicht unbedingt gut bekommen wird. Erst einmal.
Und Max dringend „Freigang“ aus der Jugendanstalt möchte. Nicht nur, aber vielleicht auch, um seiner Therapeutin privat begegnen zu können. Vielleicht aber auch ungewollt Teddy, der den Mord an seinem Neffen nicht vergessen hat.
Lakonisch im Ton, sehr flüssig, aber auch breit im roten Faden angelegt geht Jensi Lapidus dem allen sorgsam nach. Und schafft es, wie gewohnt, ohne seitenlange Erklärung oder viele Worte diese langsam gewachsene, rücksichtslose Brutalität im „Milieu“, die inzwischen internationalen Verflechtungen, die Unsummen an Geld, dass dort fließt und die ständige, fiebrige Vorsicht, die alle Beteiligten haben müssen, auf den Punkt zu erzählen.
Man sieht einen Ibbe quasi vor sich und möchte so jemanden nie privat begegnen, verfolgt aber dennoch gebannt, wie die Hauptfiguren mit und um Teddy herum in all dem einen gewissen Anstand, ein Gewissen zu behalten.
Und, so es irgend geht, da, wo an Einfluss haben könnte, ein Mindestmaß an Gerechtigkeit walten und herstellen zu wollen.
Eine zu empfehlende Lektüre, selbst wenn man die Vorgängerbände nicht kennt.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Lapidus, J.
Titel: Stockholm Blues
Verlag: btb 2026
ISBN: 9783442774975
M.Lehmann-Pape 2026

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