Christian von Ditfurth – Rabens Rache

Spannung - Ravens Rache - Rezension

Intensivierung

Wer die Reihe um den Kriminalkommissar, inzwischen Kriminalrat Karl Raben bisher verfolgt hat, der hat natürlich Recht damit, dass die einzelnen Bücher der Reihe in sich ähnlich aufgebaut sind. Karl Raben hat, damals war es sein Fall, die Ermordung des Mannes in einer Kneipe, seitdem eine Liste mit Namen im Kopf. SA-Männer, die alle an dem Mord beteiligt waren. Und Raben wäre nicht Raben, wenn er nicht so lange nicht ruhen würde, bis Vergeltung, Rache genommen wurde.
Auch wenn er dazu viel riskiert, auch wenn er Beweise fälscht, Situationen künstlich herstellt, die zum Tod eines der Männer führen.
Und folgerichtig steht im Mittelpunkt dieses vierten Bandes auch der vierte Mörder. Wetterau. Gut verknüpft mit den Ränken der Macht, aber, wie sich zeigen wird, nicht so gut abgesichert, dass nicht doch eine Lücke durch Raben zu nutzen wäre.

Das aber ist nur ein Teil des roten Fadens, den von Ditfurth durch die Jahre der NS-Zeit hindurch erzählt. Und, neben seiner Begabung fürs Personal gelingt es ihm beständig, Geschichte hautnah erlebbar zu machen. An den ausgehobenen Gruben in Polen. Im Kopf der immer roher und verdorbener werdenden SS-Männer, denen das ständige Hinrichten Spuren, Narben, Löcher in die Seele stanzt.

Zudem findet von Ditfurth immer wieder neue Wendungen, neue Seitenlinien (wie die sich anbahnende Romantik zwischen Rabens Freund und Kollegen Lichtigkeit, der, nach dem Ruhestand und Tod des „Buddhas“ Erich Gennart dessen mit ihm verwachsene und vertraute Sekretärin „Köfpchen“ plötzlich mit ganz anderen Augen ansieht.
Oder was die Nachbarwohnung Rabens angeht, wo ein Blockwart einige eigene Recherchen zu Rabens geliebter Frau ermittelt hat. Mit Folgen. Für ihn zumindest.

Vor allem aber leben die Romane von der Dichte der Atmosphäre, vom Geruch nach Öl und Panzerketten, von Emotionen und hohem Druck, von der präzisen Zeichnung der „Führung“, von der kalten Planung von Vernichtung und von einzelnen Schärgen, an denen c. Ditfurth exemplarisch eine ganze „Volks-Haltung“ vor Augen führt. Wie Standartenführer Damzog einer ist.

„Die Erschießungen liefen gut, waren routiniert und effektiv. Wenn nicht so ein Idiot wie dieser Raben spektakulär verweigert hätte“.

So steht es inzwischen nämlich um Karl Raben. Es wird eng. Und enger. Sich heraushalten, nicht mittun, immer noch versuchen, Unschuldige zu retten, er fällt auf. Zu sehr. Bis nach oben hin, zu Heydrich und Himmler. Einige Male kann er sich nur noch mit äußerster Not und auf Kosten einer seiner Waden aus der Gefahr ziehen. Und doch dies auch immer nur für kurz.

So bietet dieser vierte Band vor allem eine Intensivierung. Mit dem Überfall auf Polen beginnend, mit einem Einblick nahe und dran an die „Lösung“ der Frage, wohin mit allem unwertem Leben, was zu viel denkt, jüdisch ist, geistlich ist, bis mehr als zehn. Zu zählen vermag. Wie aber auch eine Intensivierung des Falles an sich. Des Mordes an einem homosexuellen Mitarbeiter in Goebbels Ministerium. Und einer gefährlichen Balance zwischen dem, was Raben alles daransetzt, den vierten SA-Mann in Verbindung mit diesem Mord zur Strecke zu bringen und dennoch den Mord auch tatsächlich aufzuklären. Während im alle inzwischen intensiv auf die Finger schauen und er sich kaum noch frei bewegen kann. Nirgends.

Sachlich fundiert, fließend erzählt, komplex in den Figuren und den vielen sichtbaren und unsichtbaren Verbindungen dieser untereinander, emotional so dicht, das Leser und Leserinnen von der ersten bis zur letzten Seite nicht von der Leine gelassen werden und, natürlich, auch spannend.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: v. Ditfurth, C.
Titel: Rabens Rache
Verlag: C.Bertelsmann 2025
ISBN: 9783570105658

M.Lehmann-Pape 2026

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