Hans-Christian Biller, "Kleine Gefühle", Carl Auer Verlag 2026, Rezension

Hans-Christian Biller – Kleine Gefühle

Hans-Christian Biller, "Kleine Gefühle", Carl Auer Verlag 2026, Rezension

Hans-Christian Biller – Kleine Gefühle

Ein Plädoyer für den Alltag und die „kleinen Dinge“, die das Leben ausmachen

„Kleine Gefühle“ haben es schwer in einer Welt des immer mehr und immer weiter. Angesichts einer gewissen Sattheit an „Sinnfragen“ und angesichts einer überbordend aus dem Ruder laufenden Welt.

Ferne Orte. Aufwendige Groß-Partys. Die „Große größte Liebe“ und die dazugehörigen Apps. Das „Event“. Der „Big Player“. „Denk Groß“. Und was einem noch so alles einfällt in einer Welt zunehmender Polarisierungen, wo das „wohltemperierte“, die „Mitte“, das „ganz Alltägliche“ an den Rand rutscht.

Einfach wohltuend ist es daher, sich diesem schmalen Kompendium der „kleinen Gefühle“ zuzuwenden. Die, wie Biller deutlich betont, das Leben viel mehr prägen, ausmachen, Rahmen und Richtung geben, als die „Ekstasen“.

Und auch erstaunlich, dass es Biller gelingt, Gefühle aufzustöbern, die durchaus vorhanden sind, aber nicht gängig im menschlichen Verstand erfasst werden und daher hier und da noch nicht mal einen Namen haben (was sich im Lauf der Lektüre in guter Form ändern wird).

So konstatiert Biller zu Recht, dass die „kleinen Gefühle“ zu Unrecht „unbedeutend“ erscheinen, sondern einen im Gegenteil tiefgreifenden Einfluss auf das Leben haben.

Dies legt Biller nicht nüchtern und trocken wie ein Lexikon dar, sondern bei jedem der gut 100 „Empfindungen“ im Buch formuliert er griffig und empathisch, so dass umgehend genau jene Gefühle bei der Lektüre mitschwingen, die er beschreibt.

Bekannte Momente wie „Dingseligkeit“ (Zuneigung zu einem Gegensatz), Sehnsucht aufgrund innerer Leere, „Das soll schon alles gewesen sein?“ oder „Oaa“ (das Staunen über das Leben, das Universum und den ganzen Rest).

Aber auch eine Benennung von (bis jetzt) eher diffusen Gefühlen wir „Dunkbarkeit“ (für Geschenke, die man nicht mag“. „Saugenblicklichkeit“, das Versinken in eine Geschichte. Und „Shrink“ (wenn man sich nach kurzer Zeit mit den Eltern wieder fühlt wie mit 12 Jahren).

Was Biller gelingt, mit seiner „neuen“ Namensgebung, den einfachen, präzise treffenden Beschreibungen und der Konklusion, die er je kurz daraus zieht, ist, genau diese vielfache, breite und tiefe Welt schlichter, einfacher, alltäglicher Gefühle und damit, recht betrachtet, eines ständige den eigenen Weg beeinflussenden Gefühlserlebens klar und deutlich vor Augen zu stellen.

Was am Ende ein dankbares Staunen hinterlässt, nicht nur, was es da alles gibt, sondern dass es genau das alles gibt.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

Autor: Biller, Hans-Christian
Titel: Kleine Gefühle
Verlag: Carl-Auer Verlag 2025
ISBN: 9783849705275

M.Lehmann-Pape 2026

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