Jan Fleischhauer – Du bist nicht allein
Pointiert und mitten aus dem Leben
Er kann schreiben.
Er drückt sich klar aus.
Was schon sein erstes Kapitel als Einleitung in das Thema dieses Buches unmissverständlich vor Augen führt (und nicht von der Hand zu weisen ist).
Die „gefühlte“ Meinung und die Betrachtung der Presseschau und der geäußerten Meinungen aktiver Politiker und Politikerinnen (samt diverser Gäste in den Talk-Shows des Landes) vermitteln Eindrücke und Haltungen „vom Land“, die sich offenkundig und statistisch nicht real wiederfinden lassen.
Weder sind die Religionen „menschenleer“ gelaufen noch erwacht jeder Bundesbürger morgens mit dem Gedanken an den „Klima-Tod“ auf (nach entsprechenden Alpträumen über Nacht), noch bleibt „das Land“ kollektiv Vereinen fern (über 70 Prozent der Bewohner sind in Vereinen zumindest gemeldet). Um nur wenige Punkte aus dem Buch zu benennen.
Nun konzediert Fleischhauer (mit Verständnis) für die Öffentlichkeitswirksamkeit Sensationen und Katastrophen zu bevorzugen als „Trigger-Themen“. Und auch eine Überspitzung zur Klarstellung der eigenen Meinung und Haltung ist ihm nicht fremd.
Aber, und das ist durchaus bedenkenswert bei objektiver Betrachtung, Fleischhauer legt den Finger auf eine Problematik, die ernst ist und die Erklärungsansätze für ein Gefühl des „abgehängt“, „sich nicht wahrgenommen Fühlen“, das um sich greift.
Dass die postulierten Thesen und Rückbindungen an „Den Zustand“ „Des Volkes“ einer Betrachtung aus subjektiven Empfindungen oder strategischen Überlegungen folgt.
Egal warum, das Ergebnis ist „die verratene Mitte“ (die Mehrheit der Bürger und Bürgerinnen). Eine Ignoranz und Verschiebung der realen Verhältnisse mit Hilfe eines Aufbauschens von Themen, die einfach (noch) „Minderheit“ im Lande sind.
„Mein Eindruck ist auch, dass die Welt, wie sie in den Medien abgebildet ist, und die Welt, die eine Mehrheit von uns als ihr Zuhause begreift, immer weiter auseinanderfallen.
Wie erwähnt, man kann in Vielem andere Haltung sein als Fleischhauer oder sich an seiner konservativ pointierten Sprache stoßen.
Aber gut zu lesen ist sein Buch und ernst zu nehmen ist sein Thema.
Denn es könnte sein, dass nicht wenige, die sich zu „Vertretern der Öffentlichkeit und des Volkes“ aufschwingen, ihre jeweilige Blase für die „ganze Welt“ halten. Oder aus andren Gründen stur und laut behaupten.
Der Blick in die USA zeigt, was für Folgen ein Handeln ausschließlich entlang der eigenen Interessen und ein Beharren auf der eigenen, eingeschränkten Weltsicht als der „einzigen Welt“ mit Hilfe lautem Getöse für allgemeine Folgen nach sich zieht.
In Fleischhauers flüssig zu lesender Analyse trifft da vieles den wunden Punkt.
„Wir werden Zeuge eines unerhörten Experiments. Zum ersten Mal in der Geschichte der Parlamentarischen Demokratie macht sich eine Minderheit daran, einer Merheit vorzuschreiben, wo es lang geht. Die Mehrheit wird auch noch dafür verspottet, dass sie nicht so weit ist, wie die Minderheit, die den Ton angibt“.
Lesenswert.
M.Lehmann-Pape 2026
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