Jessica Reyes Rodriguez – Cojones
Sich nicht mehr unter Wert verkaufen
Jessica Reyes Rodriguez – Cojones
Sich nicht mehr unter Wert verkaufen
Der Obertitel des Werks erinnert umgehend an ein Interview mit Oliver Kahn, bei dem aus ihm herausplatzt, was eine Mannschaft am dringendsten in seinen Augen braucht.
Ein wenig martialisch und „aufgetragen männlich“ wirkt das schon.
Vor allem aber wirkt es, wie eine einfache Faustformel.
Geh breitbeinig und stolzgeschwellt, dann wird das schon erfolgreich.
Und ein gemischter Eindruck verbleibt tatsächlich auch nach der Lektüre.
Zum einen stimmt tatsächlich und ist eine wichtige Kompetenz im allgemeinen Leben: Nur mit Mut erreicht man auf Dauer seine wichtigen Ziele.
Mut, Charisma und ein Selbstwertgefühl sind keine gottgegebenen Talente, sondern Kompetenzen, die man „erwerben“ kann.
In sich und aus sich heraus.
Und doch, zum anderen, kommt auch Rodriguez nicht ohne Plattitüden, Aufforderungen und Setzungen aus, die zwar alle richtig klingen (und auch sind), aber eben nicht einfach so „gemacht“ werden können.
Daneben und dennoch lohnt die Lektüre, weil Rodriguez selber lebt, was sie lehrt. Und auch für sie diese Form des selbstbewussten Auftretens nicht vom Himmel gefallen ist.
Und auch nicht aufgesetzt als „Schauspiel“ von ihr in Szene gesetzt wird.
Vor allem aber legt das Buch den Finger auf eine allgemein überaus verbreitete Wunde.
Dass man sich meist nur dann „gut“ fühlt, wenn alles „wie geschmiert“ läuft, aber sofort unsicher wird, wenn Gegenwind aufkommt oder direkte Konfrontation umgehend „das Gehirn“ vernebelt.
Nicht jeder wird genau diesen persönlichen Weg der Autorin eins zu eins übernehmen können, jeder und jeder haben die eigen Form des Auftretens und der Kommunikation zu finden.
Dass aber „Ruhe und Timing“ dafür wichtiger sind, als „Breit-Beinigkeit“, dass Resilienz erworben werden kann, einhergehend mit dem Wissen, dass Kritik und Verunsicherung durch jemand anderen auch nur dessen „Form“ des Auftretens zeigen und weniger den eigenen Un-Wert.
Und, zentral und am wichtigsten, dass echte Erfahrungen durch nichts zu ersetzten sind.
Und dass Erfahrungen Mut bedürfen, sich auszuprobieren und dabei nicht auf Anhieb alles perfekt zu gestalten und Erfolg an Erfolg zu häufen.
Sondern dass Scheitern ein wesentlicher Lernschritt des Lebens ist.
Bis dahin, seine „eigenen Regeln“ so aufzustellen, dass man diese umsetzt. Und nicht liebend gerne darüber ausführlich redet, nur um Bestätigung von außen für die eigene Unsicherheit den eigenen Gedanken gegenüber zu erhalten.
Hier und da zu dick aufgetragen und zu sehr die eigenen „Cojones“ betonend, enthält das Werk dennoch eine Reihe von Anregungen, den eigenen „Auftritt“ zu reflektieren und Mut zur Offensive zum eigenen Weg aufzubauen.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Reyes Rodriguez, J.
Titel: Cojones
Verlag: Gabal 2026
ISBN: 9783967392722
M.Lehmann-Pape 2026
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