Galbraith Thriller

Robert Galbraith – Der Tote mit dem Silberzeichen

Ein Erlebnis der umfassenden und, wie immer, wunderbaren Art

Robert Galbraith hat, nicht nur in den vorhergehenden sieben Bänden der Cormoran Strike Reihe, sondern auch in ihrem „vorhergehenden Schriftstellerleben“ eindeutig bewiesen, dass sie umfassend in sich stringent und logisch, auf Feinheiten achtend und alle Personen intensiv zum Leben erweckendend, zu schreiben versteht.

Und das ist nicht anders in diesem neuen Fall für Cormoran Strike und Robin Ellacott.
In dem alle Ebenen fließend, bildkräftig, differenziert in den Personen und emotional dicht erzählt werden.

Sein es das eigentliche kriminalistische Rätsel, wieso eine männliche Person tot in einem Tresor eines eher unerfolgreichen Schmuckhändlers gefunden wird. Einem Tresor, aus dem ein zwar für manche „Freimaurer“ hochheiliger Silberschatz entwendet wurde. Der aber so nicht ohne Weiteres zu Geld gemacht werden könnte.

Über die Frage, wer genau eigentlich der Tote ist, über den eher merkwürdigen Auftrag an Cormoran Strike, nachzuweisen, dass der Tote nicht jener ist, als der er allgemein zu gelten scheint.

Bis hin zum Rätsel, was der Geheimdienst in diesem Fall in Strikes Büro genau zu suchen hat und, am Ende, natürlich, wer wirklich Opfer und Täter sind und was genau und warum da stattgefunden hat.

Wobei auf dem Weg in Ruhe ermittelt wird. Schritt für Schritt.
Deduktiv, mit Versuch und Irrtum, mit Thesen, die auch umgeworfen werden müssen hier und da. Manchmal mit Zufall versehen, immer aber in sich stimmig und logisch und, vor allem, langsam und mit aller Breite, und dennoch mit Tiefgang und nie langweilig.

Denn das Rätsel nimmt Leser und Leserinnen von Beginn an mit hinein in die Welt der Detektei und ihrer allseits markanten Mitarbeiter (samt neuem Aquarium).
In die Welt der nicht selten merkwürdigen Zeugen und vermeintlichen oder tatsächlichen Täter und Opfer. In ein ungeschminktes London zwischen Armut und High Society. Und einer hartnäckigen Beständigkeit in übernommenen Ermittlungen.

Gewürzt mit anderen Aufträgen, denen ebenfalls nachgegangen wird (und in deren Nachgang das ein oder andere Ungereimte gar Verbindungen zum Silber aufweisen könnte).

Wobei das Private in keiner Form ausgespart wird.
Denn Cormoran (an sich schon wunderbar in Szene gesetzt als „Einbeiniger“ sozialer Rebell, der, interessanterweise, einen enormen „Schlag bei Frauen“ besitzt) entdeckt Gefühle in sich, die ihn in die Zwickmühle bringen zwischen Begehren und den Lebensumständen der „Begehrten“.

Wenn man aber Cormoran inzwischen richtig einschätzt nach all den bisherigen Erlebnissen mit ihm, ahnt man, dass äußere Zurückhaltung nicht sein Ding ist.
Wobei er da nicht durchaus einigen „Ruinen“ seines bisherigen Lebensweges wiederum begegnen wird und angespannte Beziehungen seinen Weg auch in der Gegenwart prägen.

Was alles mit allem am Ende zusammenhängen und zusammenkommen lässt.

Galbraith gelingt es fast spielerisch, einen ganzen, eigenen Kosmos des Lebens aus sich heraufließen zu lassen, der in den Bann zieht, der hoch realistisch wirkt und doch in ganz eigener Weise durch die handelnden Personen geprägt und interpretiert wird.

Wo es, unter anderem nicht schwerfällt, auch im eigenen Leben, jene „Haussuche“ Robins gespiegelt zu finden, die ihr auferlegt, einerseits Begeisterung an den Tag zu legen und andererseits im tiefsten Inneren all das an „Nestbau“ von sich fernzuhalten.
Wer kennt das nicht, auch in wichtigen Dingen sich selbst ein stückweit zurückstellen zu müssen. Ohne es auf Dauer wirklich zu können.

Eine, wie immer, hochkomplexe Handlung mit viel menschlicher Tiefe und einem Rätsel, dass einfach Freude macht, Schritt für Schritt zu verfolgen. Geborgen im Rahmen der großen Stärke der Autorin, eigenständige und in Beschlag nehmende ganz Welten zu erschaffen.

Du, auch das sei gesagt, keineswegs zu lange. Denn das Vergnügen an der Lektüre reicht von der ersten bis zur letzten Seite.

M.Lehmann-Pape 20205


Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Galbraith, R,
Titel: Der Tote mit dem Silberzeichen
Verlag: Blanvalet 2025
ISBN: 9783764509590


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