Paul McCartney und John Lennon waren, sind und werden wohl auch das bekannteste und prägendste Komponistenduo der modernen Musik sein und bleiben.
Was aber am Ende ja nur ein, wenn auch ein zentraler, Teil der Beziehung beider Persönlichkeiten zueinander sind.
Denn in jenen Tag des „Starts“ der modernen Pop- und Rock Musik waren es enge Bindungen, Freundschaften, gemeinsames „sich Herantasten an absolutes Neuland“, was als Standard der Bands im Raum stand. Nicht nur bei den Beatles, natürlich.
Aber aufgrund ihrer Vorreiterrolle und der am Ende komplexen, feinen, und hochbegabten Kompositionen mit einer ganz besonderen Rolle versehen.
Eine Entwicklung der gemeinsamen Musik, die auch mit hohem zeitlichem Abstand immer noch, von den ersten einfachen Pop und Liebessongs hin zu komplexen Kompositionen auf „Sgt. Peppers“, mit mannigfaltigen kreativen Einfällen Staunen lässt.
Eine Dynamik, die in den beiden Persönlichkeiten für sich angelegt war und im Spiel Mit- (hier und da durchaus Gegen-) Einander ihren Ausdruck fand.
Und eine Geschichte einer engen Bindung von Freundschaft, Rivalität, Vertrautheit und Genervtheit voneinander, die alle Spielarten menschlicher Gefühle in sich trug. Und weit über die Zeit der Beatles selbst noch hinausreichte. Vor den Beatles und nach den Beatles.
Du genau das ist Ian Leslies Ansatz.
Er schreibt nicht die xte Biographie der Beatles oder über John Lennon und Paul McCartney. Sondern er geht über gemeinsame Kompositionen der Beiden hinein in die je konkrete Beziehungsdynamik zum Zeitpunkt der Entstehung der betrachteten Songs und legt Spuren und Eindrücke dieser menschlichen engen Verbindung in der Musik selber Lesern und Leserinnen vor Augen.
Und das empathisch, mit viel Wissen über die Interna der Beatles, mit Blickrichtung auf Emotionen und ausgedrückte, auch hintergründige, Emotionen.
So dass man am Ende keine biografischen Daten im Kopf versammelt, sondern das Bild einer Landkarte einer aneinander gebundenen engen Beziehung wie ein Bild vor den inneren Augen stehen hat.
So wie Leslie bei „Yer Blues“ auf den Punkt formuliert, dass viele Gespräche der beiden untereinander bei Proben oder im Austausch über Musik „wie Quecksilber“ im Raum stehen mit immer verschiedensten Ebenen der Bedeutung der Worte, die gewechselt werden.
„Sehr gute Freunde, die einander sehr viel sagen, ohne dabei viele Worte zu verlieren“.
Was am Ende in Leslies Augen genau jene Art und Wies ist, wie bei Lennon und McCartney Songs, Musik entstanden ist. Einander immer auch etwas emotional-persönliches mitteilen, was sich in Feinheiten der Songs ausdrückt und niederschlägt.
Und dabei ist in „Yer Blues“ schwingt der Beginn jener Phase Lennons mit, in der er begann, sich zurückzuziehen und sich von Paul McCartny zu distanzieren.
Nur eins von 43 musikalischen Kapiteln, die nicht mit dem Ende der Beatles enden, sondern auch thematisieren (I saw her standing there) wie Paul McCartnay tatsächlich seinen Teil dazu beitrug, dass sich Lennon und Yoko One nach einer Trennung 1974 wieder versöhnen konnten.
Ein wunderbares Buch mit einem spannenden und ganz anderen Ansatz als das Gros der Beatles Literatur.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Leslie, I.
Titel: John & Paul
Verlag: Heyne 2026
ISBN: 9783453219175
M.Lehmann-Pape 2026


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