Christian von Ditfurth, Karl Raben "Stur z in die Hölle", Penguin Verlag 2026

Christian von Ditfurth – Sturz in die Hölle

Christian von Ditfurth, Karl Raben "Stur z in die Hölle", Penguin Verlag 2026

Grandioses Finale in Tod und Trümmern 

Dieser fünfte und wohl abschließende Band der „Karl Raben“ Reihe hat es, wie die vorhergehenden Bände, von allen Seiten her betrachtet in sich.

Von Ditfurth, Historiker, mit durchaus erfolgreichen Ausflügen im Genre der Kriminalromane, verbindet in dieser Reihe profundes Wissen mit kriminalistischer Ermittlungsarbeit, starken Charakteren, wohin man auch schaut, emotional intensive und bildkräftige Atmosphäre zu einem Konglomerat innerhalb des gesamten Zeitraums der Geschichte des dritten Reiches, die einfach in den Bann zieht.

Und dachte man im vierten Band, dass die nervliche Anspannung Rabens kaum noch zu steigern ist was Übelkeit, Angst, Sorge, aber eben auch Kampf gegen das „System“ angeht, ziehen sich hier noch einmal mehr alle Schlingen zu.

In der unmittelbaren Nähe der Macht, als Mitarbeiter Heydrichs, als Kriminalkommissar, aber auch Obersturmbannführer der SS und Teil der Gestapo und des SD.

Weiterhin angetrieben von dem, was ihn ursprünglich zutiefst angetrieben hat.

Jenen SA-Männern den Garaus zu machen, die einen „Roten“ ermordet hatten.

Während der Krieg eskaliert. 

Die Ostfront bricht.

Karl Vetter, der letzte Überlebende der Mörder von damals erlebt Stalingrad hautnah mit. 

Und Leser und Leserinnen mit Grauen ebenso hautnah seine „Arbeit“ hinter der Front zunächst im Abschlachten von Partisanen, Juden, Frauen, Männern, Großvätern, Großmüttern, Kindern und Säuglingen.

Während Raben nach Heydrichs Ermordung Freiwild für „Gestapo Müller“ wird und in den Kellern brutal gefoltert wird. Während die minutiös geplante Flucht seiner Frau, Schwiegermutter und seines Sohnes nervenaufreibend unter Druck gerät und alle Kontakte und Ansehen seiner verdeckten Rettungen von politisch Verfolgten und Jugend kaum mehr etwas auszurichten vermögen.

Es braucht da durchaus den „Untergang des Reiches“, um ihn letztmalig vor zerschlagender Folter und Hinrichtung bewahren zu können.

Mit Tempo geschrieben und doch sorgfältig in der Stimmung der Szenen und den historischen Abläufen geht von Ditfurth zudem wie nebenbei der inneren Verfassung der „Mitläufer“ nach. Wirft ebenso prägnante Blicke auf das „Hände in Unschuld“ waschen wollen mancher zu Zieten „Großkopferten“. Lässt eine endlose Reihe an in den Schlachten sterbenden Soldaten vor den Augen von Lesern und Leserinnen vorbeiziehen in ungeschminkten und hochrealistischen Szenen.

Und bietet immer wieder überraschende Wendungen (wie eben im Ergehen jenes Karl Vetters, aber auch im Verhalten manches SS-Mannes angesichts der Lage Karl Rabens in den letzten Momenten des Untergangs) auf, die unvorhergesehene, immer wieder neue Impulse in fast schon klare Situationen bringen.

Bis hin zum grauenhaften Gemetzel und Menschen wie Vieh behandeln auf beiden Seiten der Fronten. Denen selbst liebgewonnen Ehefrauen mancher Protagonisten nicht entrinnen werden.

Eine hervorragende Lektüre, ein echter Sturz in die Hölle, die im Gesamten der fünf Bände eine Pflichtlektüre sein sollten im Blick darauf, wie von manchen Seiten wieder solches Denken, solche Sprache und solche „Ideale“ offensiv und beinhart vertreten werden.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: v. Ditfurth, C.
Titel:  Sturz in die Hölle
Verlag: Penguin Verlag
ISBN: 9783328605263

M.Lehmann-Pape 2026


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