Jan Weiler "Das Vogelhaus", Heyne 2026

Jan Weiler – Das Vogelhaus

Jan Weiler "Das Vogelhaus", Heyne 2026

Jan Weiler – Das Vogelhaus

Ruhige, einfühlsame, aber auch humoristische Suche nach sich selbst „wider Willen“

Vorweggesagt, wer hohes Tempo, Spannung, witzige Szenen en Masse oder Ähnliches sucht, der ist mit „Das Vogelhaus“ nicht auf der richtigen Spur.

Wer aber Jan Weilers Fähigkeit zur tiefgreifenden Zeichnung von Charakteren zu schätzen weiß, und wer selbst eine innere Ahnung hat, dass die eigene Kindheit und Jugend, die Menschen, die einen begleitet haben als man noch „wie ein offenes Buch“ in und durch das junge Leben gegangen ist, der wird dieses Werk so schnell nicht aus der Hand legen.

Über einen, der nicht sonderlich fest im Leben angekommen ist.

Im Briefkasten meist nur Rechnungen und kaum etwas Persönliches.

Und Rechnungen kann er nun gerade nicht gebrauchen. Er, der als Dramaturg und Regisseur am Theater glänzen wollte, seinen Weg in der Kultur suchte, wurde gerade „freigestellt“.

Also, Mitte 30, „gescheiterter Künstler“, kaum Mittel zum Leben noch vorhanden. 

Da scheint es unpassend, dass seine Mutter (mit den Eltern pflegt er wenig bis kaum Kontakt), die Mühe auf sich genommen hat, ihm per Brief ein Verkaufsobjekt in der alten Heimat „ans Herz“ zu legen.

Und doch kommt der Brief ja nicht zur falschen Zeit, wo gerade nichts mehr geht für ihn in Berlin. 

Und dieses konkrete Haus, das hat seine Geschichte auch mit Leonard selbst. 

Die in die Vergangenheit in die Phase zwischen Schulabschluss und geplanter Zukunft während seines Zivildienstes reicht. Als er in diesem Haus dem ehemaligen Besitzer von damals als Pfleger schon zur Seite gestellt war und das gesamte Anwesen belastend als beängstigend und gruselig erlebt hatte.

Nun könnte ein normaler Mensch über seine spätjugendlichen Ängste lachen.

Doch Leonard ist sich sicher, dass diese nicht unbegründet waren. Dass der Besitzer mindestens ein dunkles Geheimnis hütete. Und niemand damals der Intuition gefolgt ist und wirklich nachgeschaut hat, was da Dunkles im Raum steht.

Dass er nun nach Hause fährt. 

Dass er dieses Haus tatsächlich besichtigt und kauft. 

Das heißt nun sich, endlich, dem, was wirklich war, zu stellen. 

Und damit sich selbst, das ist der eigentliche rote Faden im Buch.

Der in zwei Zeitebenen, damals zu Zeiten des Zivildienstes und in der Gegenwart auf, teils bedrängender, Spurensuche.

Mit manch lustigen Szenen durch „trottelige“, eher vielleicht „unfertige“ Eigenschaften Leonards. Mit schmerzlicher Begegnung mit dem eigenen, jungen Ich. Mit dme Blick auf die „verkrustenden“ Eltern.

Mit Erinnerungen aber auch der Leser und Leserinnen, die im Verlauf der Lektüre wachgerufen werden.

Denn wer hat nicht innige, wichtige, existenzielle Freundschaften in der Jugend erlebt, die im Lauf der Jahre verloren gingen?

Eine Reise in die Zeit, nach Innen, in eine Konfrontation mit sich selbst, die universell, am Ende, als eine als hervorragende Lektüre hier nun vorliegt.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Weiler, Jan
Titel:  Das Vogelhaus
Verlag: Heyne 2026
ISBN: 9783453443716

M.Lehmann-Pape 2026


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