
Sandra Brown – Nur der Tod findet Dich
Spannend, überzeugend in den Figuren und treffend in der Atmosphäre
Hier und da ist es so weit als Naturschauspiel. Der Mond wird „blutig“. Anders als bei anderen Finsternissen des Mondes erhält er diese blutrote Farbe, wenn er in den Kernschatten der Erde eintaucht.
Was für interessierte Beobachter interessant anzusehen ist, ist für die ein oder andere junge Frau, das ein- oder andere junge Mädchen, nicht nur in Georgia, tödlich.
Denn da gibt es jemanden, der während der seltenen Phasen eines Blutmondes ein Ritual vollziehen will. Reinigend, befreiend, erlösend. Natürlich nicht für die Opfer.
Der Polizist John Bowie war an einem dieser Fälle beteiligt. Hatte ein ungutes Gefühl. Doch konnte sich nicht durchsetzen gegen seinen Chef. Was ihn bis in die Gegenwart umtreibt und ihm keine Ruhe lässt.
Als dann Beth Collins, hervorragende Reporterin aus New York, in seiner kleinen Stadt in Georgia auftaucht und all die damaligen Ereignisse wieder wachruft, finden sich die beiden nach kurzer Zeit in äußerst bedrängender Lage wieder. Denn seine Vorbehalte gegen die damaligen Ermittlungen kratzen nur and er Spitze eines gefährlichen Eisbergs, wie er bald schon erleben wird.
In der schwülen Südstaatenatmosphäre, die Sandra Brown hervorragend in Szene setzt on abgelegenen Häusern, in Bayous, im Verhalten der Menschen, brechen Gefahren und Leidenschaften stetig, aber sicher, hervor, die Leser und Leserinnen hochgradig in den Bann ziehen. Mit einem Personal, das auf den Punkt getroffen, griffig und intensiv die Seiten des Buches und den Fall selbst beleben.
„Halt dich fern von mir, Beth! Und wirf mir nie wieder vor, ich hätte keine Gefühle. Sonst beweise ich Dir das Gegenteil“.
Vielleicht, im Lauf der Zeit, hätte Beth aber ja durchaus Interesse an diesem „Gegenteil“. Denn neben den immer düster werdenden Ermittlungen im „Cold Case“ des toten Mädchen damals vor Ort, entwickelt sich auch eine, nicht nur unterschwellige, erotische Anziehungskraft der beiden so unterschiedlichen Hauptpersonen, die ebenfalls emotional dicht und glaubwürdig von Brown auf den Weg gebracht und vorangetrieben wird.
Wobei jener John Bowie leichte Anklänge an einen Jack Reacher nicht leugnen kann, auch wenn er nicht ungebunden und ständig auf der Reise durch die USA streift. Das Einzelgängertum, die große Vorsicht im Schutz seines privaten Lebens und die Härte, wenn man ihm zu nahe tritt erinnert in manchen Zügen an die Thriller von Lee Child. Was aber ja in keiner Weise von Nachteil ist.
Bevor das Tempo aber stark anzieht und die Gefahren und damit die Action zunehmen, sind im ersten Drittel des Thrillers allerdings auch leichte Längen hinter sich zu bringen. Stark dialoglastig sind manche Sequenzen zwischen John und Beth, die hier und da zu ausufernd die Handlung eher aufhalten als befördern.
Das ist aber nur ein leichtes Manko eines hervorragenden Thrillers mit überzeugender Geschichte und starken Figuren.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Brown, Sandra
Titel: Nur der Tod findet Dich
Verlag: Blanvalet 2026
ISBN: 978376540887
M.Lehmann-Pape 2026

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