Ein wissenschaftlich-systemischer Blick „hinter die Kulissen“
Gut einfach, dass Fritz B. Simon, Psychiater und Psychoanalytiker, auf Basis der systemischen Betrachtungsweise, vor Augen legt, was immer schon „Muster diktatorischen Handelns“ waren, sind und bleiben werden.
Denn er öffnet damit die Augen für das, was vor aller Augen gerade weltweit geschieht.
Menschen, die vor allem eins martialisch im Auftreten eines versprechen: „Durchzugreifen“ (eher „an sich“, denn wofür genau und wogegen konkret ist meist verworren und verwaschen. Was im Übrigen System hat, wie diese Werk aufzeigt, damit nicht zu offen klar wird, wofür genau man durchgreifen will. Hier hilft es aber, auf die Kontostände jener „aufstrebenden Kräfte“ und der Ihren zu schauen, sobald sie in Sichtweite der „Futtertröge“ geraten).
Fritz B. Simon legt sachlich, fundiert, überzeugend argumentiert, in der Sprache nicht immer ganz einfach, aber immer wissenschaftlich bezogen, einen Blick auf die verbindenden Muster“ aller Diktaturen, und autokratischen Systeme vor.
Mit, am Ende der Lektüre, absolut überzeugenden Erklärungen, was man aktuell täglich in den Nachrichten und Berichterstattungen erlebt.
„Diktatoren geht es in der Regel nicht um die rationalsten Lösungen von Problemen für den von ihnen regierten Staat, sondern um ihren Machterhalt“.
Und Simon weist Seite um Seite nach, dass es im Kern nur um die eigene Person (oder eigene Parteiung) geht, um nichts anderes.
Und vor allem, wie das planvoll und strategisch funktioniert.
Dafür werden systemisch Grenzen überall ausgetestet, wo es dem persönlichen Ego, der Mehrung persönlichen Einflusses und Erhöhung des eigenen, schnöden Geldberges geht.
Wie im Übrigen nicht nur politische Kräfte, sondern auch wirtschaftliche („Tech-Giganten“) sich, erkennt man einmal die Muster, in reinster Form „diktatorisch“ gerieren.
Die „Vernichtung kritischer Kräfte“ wird ganz offen vorangetragen.
Gegen jede Form von Regulierungen.
Denn das ist der eigentliche Feind der eigenen Mittel- und Machtmehrung.
Es wäre lachhaft, wenn es nicht so ernst wäre, dass ein amerikanischer Vizepräsident im Verbund mit dem reichsten Menschen der Welt gerade den liberalen Gesellschaften „Zensur“ und „Unterdrückung“ von Meinungsfreiheit energisch vorhält.
Selbst aber keine Widerrede duldet (und folgerichtig für autokratische Kräfte in anderen Ländern Wahlwerbung tätigt).
Und das, was Simon Schritt für Schritt beschreibt, kann man eins zu eins an der aktuellen Realität sehen und nachvollziehen.
Am Ende geschieht es ganz offen.
(Nebenbei kann man sich am Ende auch erklären, warum das „weibliche politische Personal“ aktuell in Amerika so offenkundig nach Attraktivität ausgesucht wurde).
Der disruptive Wandel mit höchster Geschwindigkeit, um existierende „Wächter-Institutionen“ zu überfordern.
Der aktive inkrementelle Wandel der Strukturen in Richtung Diktatur.
Das ganze durch Simon gespiegelt an den Realitäten demokratischer Verfasstheit (und hier kann man bestens ablesen, wo an den Schwachpunkten brutal und ohne Rücksicht angegriffen wird).
Der Umbau der gesellschaftlichen Strukturen und die Praktiken des Machterhalts.
Bis hin zur „Dynastien-Bildung“, die durchaus schon verdeckt existiert, wenn auch (noch nicht überall) durch familiäre Bande ins Leben gesetzt wird.
Ganz besonders zu empfehlen ist das Kapitel IV,4 „Deregulierte Märkte“.
Denn das kann nun wirklich jeder jeden Tag über „X“ oder andere soziale Kanäle live verfolgen, wie die „Tech-Giganten“ (um nicht „Diktatoren“ zu sagen) alles daransetzten, zu spalten und zu polarisieren.
Um damit jede Form der Regulierung aufs äußerste zu bekämpfen.
Wobei das beste Mittel der Wahl (immer schon) eine skrupellose Person in Alleinherrschaft ist, die ins gleiche Horn stößt.
Wie schön das „Elitenleben“ in einer Diktatur doch war und wieder sein könnte, das hat System und gleichbleibende Muster, die man nach der Lektüre umfassend weiß und nicht nur „meint“ oder „ahnt“.
Ob dieses Buch, so klar und gut es auch vor Augen steht, die Kraft in Menschen entfaltet, sich tatsächlich aus Eigennutz (denn in Diktaturen ist man als „Volk“ nur „Verfügungsmasse“ oder „Konsument“ und als „leben“ nichts wert), wäre zu wünschen.
Bleibt aber bei den Umfragebetrachtungen autokratisch ausgerichteter Kräfte fraglich. Vielleicht tatsächlich, bis es zu spät ist, und „keiner mehr da ist, der für einen aufstehen könnte“.
Dennoch, es sollte unbedingt gelesen (und verstanden) werden, denn es gibt unaufgeregt und in der Tiefe mit jeder Betrachtung treffend die Gegenwart schlichtweg wieder und macht verständlich, warum und wie passiert, was passiert.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Simon, Fritz B.
Titel: Wie Diktaturen funktionieren
Verlag: Carl-Auer Verlag 2026
ISBN: 9783849706173
M.Lehmann-Pape 20226
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