Wenn der „letzte Tag“ im Raum steht
Zunächst stimmt die Anfangsbeobachtung der Autoren schlich und einfach genau. In Unternehmen gibt es ausgeklügelte Systeme zum „Onboarding“. Von der Beschäftigung von Headhuntern über Assessment-Center bis zu Trainee-Programmen wir viel strukturierter Aufwand betrieben, um passende Mitarbeiter zu finden und in den Betrieb einzugliedern.
Während das „Off-Boarding“ eher ein kurzer, administrativer Akt ist.
Was, in den Augen der Autoren und von diesen argumentativ überzeugend dargelegt, ein Trugschluss ist. Denn das Offboarding hat für den Mitarbeiter, aber auch für die zurückgelassene Firma durchaus eine systemische Bedeutung und Folgen.
So gehen die Autoren im Werk detailliert und fundiert Schritt für Schritt dem Thema nach.
Von der Feststellung, dass es (noch) kaum ein Bewusstsein für die Bedeutung des „beruflichen Abschied“ für alle Beteiligten gibt. Über die Konzentration auf die „Blastung des Gehenden“ mit Bezug auf das „Tabu des Abschieds“ hin zu einer noch gar nicht klar im Bewusstsein stehenden Verbindung zwischen „gutem Offboarding und „gutem Onboarding“. Was einfach Gütesiegel eines konstruktiven Betriebssystems sind.
Wobei, das sei gesagt, das Hauptaugenmerk der Darlegungen schon auf der konkreten Person liegt, die das Gros des Übergangs zu tragen hat, dem oder der ausscheidenden Mitarbeiter.
Zur eigenen, inneren Klärung der Lebensleistung, die an diesem Punkt stark in den Raum des Lebens tritt und eben kein nur „fades Gefühl“ hinterlassen soll. Hin zu verständlichen und klaren Impulsen der Autoren für einen „menschlicheren und strukturierteren“ Prozess des Offnboardings.
Mit, natürlich, einem starken Schwerpunkt auf den, oft gar nicht genau vor Augen stehenden, emotionalen Prozessen. Und auch diese werden von allen beteiligten Seiten betrachtet.
„Kein Mensch ist eine Insel“. Und das gilt auch für den Prozess des Ganges in den Ruhestand.
Die Personen, die gehen korrelieren mit dem Team, das zurückbleibt, der Führung, dem Betrieb selbst und mit, so Kontakt Teil des Berufslebens war, mit den Kunden, die nun „übergeben“ werden.
Was eine notwendige und bei der Lektüre sehr erhellenden Erkenntniss in den Raum stellen.
Denn während in vorhergehenden Generationen die gesellschaftliche Rahmung der Arbeit, das Arbeitsleben und der Gang in den Ruhestand weitgehend auch gedanklich fest gerahmt waren, hat sich in den letzten Jahrzehnten die Bedeutung der Arbeit, die Haltung zur selbigen und die Einbindungs- und Abschiedprozresse doch stark verändert.
Ob in Bezug auf die Loyalität zum jeweiligen Arbeitgeber, im Blick auf „Work-Life-Balance“ oder auch im nicht wenig verbreiteten Gefühl, nur mehr eine „Funktion“ zu sein.
„Ein guter Offboarding Prozess reduziert Risiken, stärkt die Unternehmenskultur und steigert die Arbeitgeberattraktivität. Ebenso, wie es der ausscheidenden Person ein Gehen in „Frieden“ und eine konstruktive Ausrichtung auf das Kommende ermöglicht. Samt der inneren wie, unter Umständen, äußeren Möglichkeit, in gewisser Weise gut verbunden zu bleiben.
Eine gehaltvolle und interessante Lektüre.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Gaßmann, A., Martine K., Sichelschmidt D.
Titel: Praxiswissen Offboarding
Verlag: Schäffer-Pöschel 2026
ISBN: 9783791060576
M.Lehmann-Pape 2026
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