John Grisham – Das Vermächtnis
Solide, aber nicht mitreißend
Es geht um Simon Latch.
Kleiner Anwalt in einem kleinen Ort in Virginia.
Der sich mit Testamenten, kleineren Verträgen, mit jeder Menge anderem Kleinkram über Wasser hält.
Gerade so.
Wobei das Wasser langsam die Atemwege erreicht.
Die Ehe mit seiner Frau schon länger innerlich beerdigt. Die Kinder bekommen eine Art heile Welt noch vorgespielt. Aber so sehr mehr schlecht als recht, als dass es nicht auffallen würde, dass Simon seit Monaten nur noch in einem kleinen Nebenraum seiner Kanzlei lebt und übernachtet.
Das große Haus, das Gebäude mit der Kanzlei, die laufenden Kosten, der Leser versteht nach ein paar Seiten bereits, wie verführerisch und wie willkommen in Simons Leben Eleonore Belt aufschlägt.
85, zäh, bescheiden lebend, unzufrieden mit dem ersten Anwalt, der ihr Testament aufgesetzt hat. Und, vermeintlich, überaus vermögend hinter den Kulissen.
Einerseits geht Simon sofort in Spur und prüft, wie er für sich aus dem zu erwartenden Nachlass ein wenig Wohlergehen sich sichern kann.
Zum anderen aber ist Sinon eine ehrliche Haut, der sich über seine „Umsorgung“ der alten Dame aus eigennützigen Gründen, ohne es zu wollen, sich dieser auch privat nähert.
Und zum Dritten, gibt es diesen Nachlass überhaupt? Was eine spannende Frage sein wird im Lauf der Lektüre.
Bis Eleonore in einem Krankenhaus nach einem Unfall stirbt. An Komplikationen, die eigentlich gar nicht zu erwarten gewesen wären. Und tatsächlich auch keine natürliche Ursache hatten. Wie sich bald zeigen wird.
Und so findet sich Simon von jetzt auf gleich als Angeklagter eines Mordprozesses vor Richterin und Jury wieder. Mit nur einer einzigen Möglichkeit, da alles andern ihn bereits als Schuldigen abgetan haben.
Er muss mit seinem Anwalt, seiner nahestehenden Freundin, FBI-Agentin und manch dubiosen Kontakten seiner illegalen „Spielleidenschaft“ herausfinden, wer Eleonore Barnett tatsächlich ermordet hat.
Was durchaus spannend sich gestalten wird und ein sehr überraschendes Ergebnis nach sich ziehen wird, was die verschiedenen Verdächtigen auf diesem Weg betrifft und was das eigentliche Motiv ist.
Doch daneben hat der neue Roman von John Grisham einfach auch Schwächen.
Die Gerichtsverhandlung gegen Simon wird zwar gewohnt plastisch, aber am Ende einfach eher uninspiriert erzählt. Das erste Urteil ist kaum nachvollziehbar (auch wenn Grisham dieses nutzt, um auf die Schwächen von Jurys in amerikanischen Gerichten hinzuweisen).
Und das Finale kommt ein stückweit zu lapidar erzählt daher mit einer Wendung, die im gesamten Roman zuvor eigentlich kaum Anhaftung findet und daher konstruiert wirkt.
Am Ende eine durchaus kurzeilige Lektüre, die aber an wichtigen Punkten Leser und Leserinnen emotional zu wenig abholt.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Grisham, J.
Titel: Das Vermächtnis
Verlag: Heyne 2026
ISBN: 9783453274280
M.Lehmann-Pape 20206
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