Louise Hegarty-Fair Play-Rezension

Louise Hegarty – Fair Play – Rezension

Louise Hegarty-Fair Play-Rezension
Kriminalroman, Rezension M.Lehmann-Pape

Louise Hegarty – Fair Play

Anders und überraschend

Von der Geschichte her wirkt dieser Kriminalroman auf den ersten Blick sattsam vertraut und gewohnt.

Eine Gruppe von Freunden trifft sich, wie jedes Jahr, zu Silvester in einem schönen, alten Landhaus.
Und pflegt die Tradition des, von Abigail (wie immer), mit Liebe zum Detail vorbereiteten „Krimi-Diners“.

Also, wie gewohnt. Beschränkter Raum, eine beschränkte Gruppe, ein totes Mitglied der Gruppe und eine ebenfalls überschaubare Anzahl an Verdächtigen.
Plus des Auftritts eines „Meisterdetektivs“ in der Tradition von „Knight Out“.
Und gut ist.
Könnte man meinen.

Doch nach dem einleitenden Beginn (Vorstellung der Personen und des Settings), folgt im zweiten Kapitel zunächst einmal ein „Regelwerk für „gute“ Kriminalromane“.
Dem Hegarty dann stringent und doch sehr unterhaltsam folgt.

Nicht aber ohne zwischendurch immer wieder die Geschichte für einen Augenblick zu verlassen.
Um auf der Meta-Ebene Leser und Leserinnen direkt, kommentierend, mit Hinweisen zu versehen und auf die literarischen Regeln wieder zu konzentrieren.

Und ebenfalls, neben dem eigentlichen Mord und dessen Aufklärung durch den Meisterdetektiv Bell und seinen Adlatus, fügt Hegarty sensibel eine zweite Leselinie ein.

Sie lässt tief in das Innere von Abigail blicken. Biographisch und emotional. Lässt deren Trauer, Verwirrung überaus fassbar werden. Und auch die Wut, den Schock, angesichts (möglicher) Wahrheiten über jene, die sie als vertraute Freunde des Lebens bisher betrachtet hat.

Wobei, was die Aufklärung angeht, vielleicht „Aufklärungen“ es deutlich besser treffen würden. Aber da soll jeder und jede sich selbst vom Ende des Krimis überzeugen.

Um nicht zu spoilern sei nur so viel gesagt: Auch das Ende dieses vertraut-andersartigen Krimis ist alles andere als gewohnt vor Augen gelegt.
Die kunstvolle Gestaltung der Auflkärung(en) passt aber in sich stimmig bestens zu den „Regeln“, die Hegarty im zweiten Kapitel als roten Faden formuliert hat.

Ein außergewöhnlich gestalteter Kriminalroman, der zwar manche Fragen offenlässt, aber eine sehr unterhaltsame, flüssige und kluge Lektüre darstellt.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Hegarty, L.
Titel: Fair Play
Verlag: dtv 2026
ISBN: 9783423285230

M.Lehmann-Pape 2026

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