Kohel Saito "Am Ende des Fortschritts" dtv-Verlag

Kohei Saito – Am Ende des Fortschritts

Kohel Saito "Am Ende des Fortschritts" dtv-Verlag

Kohei Saito – Am Ende des Fortschritts

Die Welt wird nicht „einfach so“ ein ökonomisch schwieriger Ort

Kohei Saito – Am Ende des Fortschritts

Die Welt wird nicht „einfach so“ ein ökonomisch schwieriger Ort

Zunächst wäre es keine schlechte Idee, sich einige Videos von „Garyeconomics“ in Ruhe zu Gemüte zu führen. Denn als einer, der beide Seiten des modernen Kapitalismus extrem kennt, ist er durchaus in der Lage, das Grundproblem der Gegenwart im Vergleich zu den 60 Jahren nach Ende des zweiten Weltkrieges auf den Punkt zu formulieren.

Aber auch der Untertitel, den Saito wählt, „…in den Ruinen des Kapitalismus“, bringt das immer drängendere und unkontrollierter für das Gros der Menschen, aber auch für die „Staatsgebäude der Welt“ bestens zum Ausdruck.

Es fehlt allenthalben an materiellen Mitteln für die Erhaltung der gesellschaftlichen Werte, der sozialen Versorgung und der Investitionsmöglichkeiten und ebenso gilt dies auch heruntergebrochen auf das individuelle Leben der meisten Menschen an allen Orten.

Gesundheit, Wohnraum, Teilhabe am wirtschaftlichen Wachstum, „sich etwas (von Wert und auf Dauer) erarbeiten können, all das verschwindet in hoher Geschwindigkeit aus dem „normalen“ Leben, während ab einer bestimmten Grenze von Reichtum die „Assets“ von alleine wachsen.
Und im gleichen Zuge die Profite privatisiert und steuerlich begünstigt sind, um noch mehr „Assets“ generieren zu können.
Während die sozialen Kosten von der „Asset-Seite“ her weit von sich gewiesen, diesen „entflohen“ wird und damit allein jenen überlassen werden, die keine Möglichkeiten „zur Flucht“ besitzen und von den Kosten völlig überfordert werden.

Und da geht es nicht um Luxus, Sportwagen, Aktien oder Gold.
Es geht, nicht erst am Ende, schon heute und jetzt, um Land, Wasser, Nahrung und Energie. Von Einkommen, Wirtschaftskraft, Bildung, gesundheitliche Versorgung ganz zu Schweigen.

Am Ende also ist nicht ein gewisser Teil menschlichen Seins, sozial oder materiell, unter Druck, sondern die Existenz als solche.
Was Saito überzeugend und fundiert als eine der Folgen des entfesselnden Kapitalismus klar herausarbeitet.

Ein „Wettbewerb um Ressourcen“, der sich auf der Weltbühne vor aller Augen, im Kleinen aber ebenfalls überall, nur deutlich verdeckter, abspielt.

Wobei Saito dem nicht ohne Hoffnung und Aufzeigung von Möglichkeiten, Einhalt zu gebieten, gegenübersteht. Aber ob eine breite Mehrheit schon bereit wäre, seinen Gedanken eines „dunklen Sozialismus“ zu folgen? Das darf bezweifelt werden, leitet sich aber dennoch überzeugend aus seinen fundierten Betrachtungen am Ende her.

Ein Experiment im Übrigen, dass ja real existiert. Und als „ecuadorianischer Weg“ höchst lesenswert am Ende der Lektüre vorliegt.

Ein lesenswertes und schonungsloses Buch zur „Lage der Welt“ mit Lösungsansätzen, die extrem und sehr ungewohnt wirken, aber in sich schlüssig hergeleitet vor Augen liegen.

Und auch wenn man sich vielleicht grundsätzlich oder „noch nicht“ den angemahnten Veränderungen anschließen möchte, die Analyse alleine schon, nüchtern und sachlich verfasst, lohnt die Lektüre allemal.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Saito, K.
Titel: Am Ende des Fortschritts
Verlag: dtv 2026
ISBN: 9783423285346

M.Lehmann-Pape 20206

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