Dramatisches Kammerspiel auf engem Raum
Es ist natürlich kein neues, sondern ein durchaus bekanntes Setting, dass Emily Rudolph für Ihren neuen Thriller auswählt.
Eine Insel. Ein großes Herrenhaus. Begrenzter Raum. Wenig Möglichkeiten zur Flucht.
Ein begrenztes Personal und ein altes Geheimnis.
Wobei Cecilia, professionelle Housesitterin, diesen neuen Auftrag zunächst als Geschenk betrachtet.
Denn mit dem Eigentümer des großen Hauses auf der einsamen Insel verbindet sie mehr als nur eine flüchtige Bekanntschaft. Aktuell sind die beiden ein Liebespaar.
Sie könnte sich somit auf eine angenehme und anregende Zeit mit Johannes Waldner im „Liebesnest“ freuen.
Wenn Johannes seine Ankunft nicht verschieben müsste.
Und wenn die Atmosphäre im und um das Haus herum nicht so merkwürdig bedrückend wäre.
Und wenn nicht andere Personen sich, ohne Cecilias Wissen, schon längst zu diesem Ort aufgemacht haben.
„Träum süß“, findet sie als Schrift auf dem beschlagenen Spiegel.
Doch sie selbst hat das nicht geschrieben. Und doch war sie die ganze Zeit im Bad anwesend. Wenn auch ein wenig groggy vom Alkohol und dem heißen Wasser und wohl ein wenig auch eingenickt.
Aber doch da.
Eine Schrift auf einem Spiegel in einem Haus, in dem doch nur sie sich gerade aufhält?
So beginnen die Ereignisse spannend, gruselig und vielversprechend.
Was im Lauf der Lektüre aber dann doch durch die ein oder andere Länge und zu breite Erzählung nicht ganz das Anfangstempo beibehalten wird.
Wohl aber eine zunehmende Gefahrenlage und ankommende Personen, die bei Weitem nicht so offen bekannt sind und so eindeutig, wie man auf den ersten Eindruck meinen würde.
Auch wenn Johannes selbst nicht abkömmlich ist, er weiß natürlich um Cecilias Neigung, sich hier und da enge Freunde in ein zu hütendes Haus einzuladen.
Und hat vorgesorgt, indem er drei enge Freunde Cecilias schon auf den Weg gebracht hat.
Doch schon bald wird klar, mit irgendeiner der anwesenden Personen stimmt etwas nicht.
Oder ist gar noch eine Person unerkannt und heimlich in der Nähe?
Merkwürdige, drückende, bedrohliche Ereignisse beginnen, sich zu häufen.
Gerade weil Cecilia während all dessen ja nicht untätig bleibt, sondern auf ihren Streifzügen durch das Haus das ein oder andere findet und bemerkt, was nicht dazu gedacht war, bekannt zu werden und auf ein schreckliches Geschehen in der Vergangenheit hindeutet.
Was im letzten Teil des Buches für Tempo, Spannung, Gefahren und nicht wenige überraschende Wendungen sorgen wird.
Vor diesem Ende aber lassen die häufigen Perspektivwechsel zwischen den Personen und die vielfachen Rückblicke in die Vergangenheiten dieser Personen den Lesefluss manches Mal unterbrochen und teilweise auch zäh ablaufen.
Anfang und Ende spannend und das mag man dann auch nicht unterbrechen, versehen mit einem doch zu langatmigen Zwischenteil ergibt sich insgesamt dennoch eine interessante und, in Teilen, auch sehr spannende Lektüre.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Rudolf, E.
Titel: Die Housesitterin
Verlag: S. Fischer 2026
ISBN: 9783651025165
M.Lehmann-Pape 20206
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