Geraldine Brooks "Der letzte Montag im Mai" btb Verlag Rezension

Geraldine Brooks – Der letzte Montag im Mai

Geraldine Brooks "Der letzte Montag im Mai" btb Verlag Rezension

Geraldine Brooks – Der letzte Montag im Mai

Hoffnung braucht Liebe zu sich selbst



Es sind die tiefsten Schnitte ins Mark, die das menschliche Leben kennt.
Tode.
Der eigene, klar.
Aber vor allem die Verluste, die das Leben zufügt. Manche vor der Zeit, auf jeden Fall aber mit zunehmendem Alter, wenn es einen selbst nicht trifft, die harten Abschiede von jenen, mit denen eng, vertraut, lange, gelebt wurde. Bis dahin, dass der Partner, die Partnerin stirbt.

Ein Moment meist, in dem alle Zeit angehalten ist. Hoffnung verloren geht. Nichts mehr ist, wie es war. Und, man ahnt es, auch kaum mehr so werden wird, wie es lange vertraute Zeiten war.

Das ist, worüber Geraldine Brooks schreibt.
Emotional dicht und nahe gehend.
Mit spürbarer, tiefer Trauer.

„Auf der Straße zusammengebrochen…..ins Krankenhaus gebracht……konnte nicht wiederbelebt werden“!

Mitten aus dem Leben. Einfach so. Tony ist tot. Ihr Ehemann.

Dreißig gemeinsame Jahre. Gemeinsames Leben. Inmitten enger sozialer Beziehungen.
Vorbei.

Brooks tut, was wohl die meisten tun. Sich wappnen. Listen abarbeiten. Dem Leben versuchen, wieder eine äußere Form zu geben.
Und sie erlebt, was fast alle erleben: Der Körper geht weiter, doch das Innere bleibt tot. Zersprungen. Die Trauer weicht nicht, sie richtet sich fest ein im Leben.

Aber Brooks schreibt auch mit Kraft.
Seite für Seite mehr. Mit Hoffnung. Die im Falle von Brooks darin entsteht, sich ganz auf sich zurückzuziehen. Und sich selbst mit gnädigen, liebenden Augen darin zu betrachten.

„Das einzige Ende, das manche Dinge haben, ist das Ende, das man ihnen gibt“.
Oder eben sich einen Anfang zu geben. Immer wieder. Solange man atmet.

Dafür aber wagt sie, nicht mehr auszuweichen. Nicht mehr „drüber zu leben“ über den Verlust und die innere Leere.
Sondern „ganz hineinzugehen“, drei Jahre später. Mit Bedacht hat sie dazu einen einsamen, abgelegenen Ort mitten in der Natur gewählt.

„Ich gewöhne mich an die Einsamkeit“.
Die nicht nur in der Abgeschiedenheit des Ortes liegt. Sondern die die innere Einsamkeit widerspiegelt, die nun Raum bekommt. Für Erinnerungen. Für Klage. Für Einsicht. Emotionale Einsicht.

Und endlich Raum für Tränen. Die in diesem Moment, als sie ihren Weg wirklich finden, reinigend und befriedend kommen.
„Doch wenn du am Ende angelangt bist, musst du dich entscheiden“.
Versinken oder schwimmen.

Die Trauer ist nun Teil des Schwimmens. Und wird bleiben. Als Teil aber nun des Lebens.

Ein empfehlenswertes Buch.



Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Brooks, G.
Titel: Der letzte Montag im Mai
Verlag: btb 2026
ISBN: 9783442763238

M.Lehmann-Pape 2026

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