Liz Moore – Der andere Arthur
Intensive und nahekommende Charaktere
Für die drei wichtigen Personen dieses sprachlich sehr feinfühlig verfassten und seinen Protagonisten in vielen Verästelungen folgend, ist „Mainstream“ ein Fremdwort.
Auch wenn alle drei, der alte Professor, seine ehemalige Studentin und der blutjunge Mann, der um sein Stipendium kämpft, durchaus gerne einfach wohl nur „normal“ wären,
zu Zeiten zumindest.
Das aber alle drei nicht in sich tragen. Bisher.
Arthur, der Professor, weil er im Lauf der Jahre immens an Gewicht zugelegt hat, auf sich zurückgeworfen in Abgeschiedenheit lebt. Die wenigen Schritte, die es im Alltag Bedarf, sind herausfordernd genug und mehr an Bewegung geht einfach nicht.
Was allerdings auch die innere Bewegung in Mitleidenschaft zieht und echte Einsamkeit in sein Leben getragen hat.
Als sich in diese nur noch dahinplätschernde Lebensatmosphäre eine Stimme aus der Vergangenheit meldet. Die alles verändert. Aber auch schmerzliche Gefühle und einen Blick in den Spiegel des Lebens mit sich bringen wird.
Denn es ist jene Charlene, eine ehemalige Studentin, die für eine ganze Weile noch zumindest Kontakt in sein Leben gesetzt hatte.
„Du warst mein Anker in der Welt. Du, Deine Briefe und Diene bloße Existenz gaben mir mehr, als ich hätte erklären können“.
Aber dieser Anker ist in Not. Um sich, ja, vor allem aber um den 17jährigen Sohn, der nur eine einzige Chance sieht, sein Leben auf soliden Grund stellen zu können. Ein Sportstipendium.
Was ihm nicht zufällt, sondern für das er den Kampf seines Lebens kämpfen muss. Und dabei in tiefer Sorge um seine Mutter ist.
„In Wirklichkeit ging es ihr überhaupt nicht super und das mit dem Saufen wurde immer schlimmer“.
Was genau passiert ist und durch was diese, sicherlich immer schon vorliegenden, Charakterzüge des Rückzugs, der inneren Isolation und zunehmender Einsamkeit im Leben so übermächtig geworden sind, das erzählt Liz Moore in emotional überaus dichter Weise.
Leser und Leserinnen wird so ermöglicht, in die Personen einzutauchen, aus den kleinen Momenten der seelischen Empfindsamkeiten und angesichts zentraler, verletzender, herausfordernder Momente je im Leben nachvollziehen zu können, warum Resilienz nicht genügend vorhanden war und wie bedrängend dieses gesamte Leben allen drei Personen gegenübertritt.
Mit leisen Zeichen der Hoffnung allerdings. Die aber benötigen wird, sich sich selbst zu stellen.
Ein bewegendes, gerade in seiner ruhigen Form berührendes Buch.
Über ein Thema, das in den westlichen Gesellschaften nicht nur zunimmt, sondern inzwischen ein zentrales Problem darstellt.
Wie schnell es inzwischen in Richtung Einsamkeit gehen kann. Und geht.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Moore, L.
Titel: Der andere Arthur
Verlag: C.H.Beck 2026
ISBN: 9783406843334
M.Lehmann-Pape 2026https://rezensionsseite.de/
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