Das Setting dieses Kriminalromans ist eine Mischung aus klassischem, britischem Krimi und Spionagethriller.
Und auch wenn der Roman schon 1933 erstmalig erschienen ist (und das an den Methoden der beiden Hauptpersonen, Albert Campion und sein Assistent Magersfontein Lugg (wie bei Sherlock und Watson ein weiteres Duo der britischen Kriminalliteratur, deutlich ersichtbar ist), die Ausgangslage erinnert durchaus an „moderne“ politische Zustände.
Für manchen wäre es z.B. ein Fest sondergleichen, wenn sich herausstellen würde, das Grönland mittels irgendeines verschollenen Vertrages oder einer Schenkung einem amerikanischen Staatsbürger seit ehemals gehören würde.
Und auch die Initialzündung einer Naturkatastrophe und damit der plötzlichen Bedeutung eines abgelegenen Fürstentums könnte auch in der Gegenwart durchaus eintreten.
Auf jeden Fall ist der kleine Flecken von Fürstentum namens Averna plötzlich von hoher Bedeutung für Handel und Wirtschaft Europas.
Und England, als immer noch wichtiges und mächtiges Land er damaligen Zeit streckt die Fühler noch in ganz anderer Weise nach dem nun wichtigen Hafen aus.
Albert Camion wird beauftragt, zu klären, ob vor Zeiten eine englischen Adelsfamilie rechtmäßige Besitzer des Fürstentums waren. Und es wird sich als überaus gut herausstellen, dass der etwas ruhige, hintergründige Denker „im Auftrag der Krone“, Campion, seinen Adjutanten eng mit dabeihat.
Denn natürlich sind solche wichtigen Ereignisse, Orte und Strategien um einen wichtigen Hafen nicht nur eine akribische Rechercheaufgabe in alten Dokumenten und Spuren, sondern auch Objekt eines breiten Interesses anderer Personen und Mächte.
Lugg hat eine kernige Zugehens- Weise, scheut keine Konfrontation, hat eine Vergangenheit, die nicht immer ganz legale Wege ging und gleich damit perfekt aus, was dem „Gentleman“ Campion fehlt.
Die alte Familie selbst, deren „Überreste“ in England erst im Lauf der Handlung entdeckt und „in Beschlag“ genommen werden, wäre nämlich dann kein Problem in den Nutzungs- und Besitzfragen des Fürstentums an der Adria, wenn sie aus dem Leben endgültig verschwinden würden.
Mit trockenem, britischem Humor gewitzt, hier und da ein wenig Action (aber reißerisch ist der Krimi natürlich in keiner Weise, ergeben sich so verschiedene Handlungsfäden, die erst zum Ende hin ein großes Ganzes ergeben. Und die Albert Camin einiges abfordern werden, bevor er seinen Auftrag beenden können wird.
Ein ruhig und flüssig zu lesender Kriminalroman, in dem Grips mehr zählt als Waffen und dessen klassischer Aufbau eine schöne Lektüre ergibt.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Alingham, M.
Titel: Campion – Der stille Feind
Verlag: Klett-Cotta 2026
ISBN: 9783608966770
Michael Lehmann-Pape 2026



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