Hildur Runarsdottir ist Ermittlerin der Kriminalpolizei Islands mit Leib und Seele. Und gut in ihrem Beruf, keine Frage.
Doch nun geht es auch für sie trotz aller Erfahrung ans Eingemachte.
Ein vermeintlicher Unfall, eine von Vögeln zerhackte und entstellte weibliche Leiche, bei dem sie durch Zufall rein privat in der Nähe ist, entpuppt sich schon bald als Mord (was Leser und Leserinne durch den Prolog des Thrillers schon wissen).
Warum aber and dieser entlegenen Stelle? Und wer ist die Frau? Und bald, spürt Hildur, geht es bei ihren Fragen und Ermittlungen auch um ihr eigenes Leben, ihre eigene Vergangenheit.
Wie im Übrigen auch andere Erzählstränge, wie jener der Suche ihrer Tante Tinna nach dem Verbleib ihrer Schwester, oder die plötzlicher (Wieder-) Begegnung Hildurs mit einem Kollegen aus ihrer Vergangenheit, mit dem ihrerseits das ein oder andere Unausgesprochene noch im Raum steht, für verschiedene. Perspektiven im Thriller sorgen werden.
Perspektiven, die man nicht leichtfertig überlesen sollte, denn in der Vergangenheit und der Gegenwart der handelnden Figuren könnten Hinweise vorliegen, die zur Klärung des aktuellen Mordfalls mitführen könnten.
Ein Mord, der Hildur, je mehr sie ermittelt, immer mehr an die frühen Tage ihres Polizeidienstes erinnert, an ihren ersten Fall als Ermittlerin vor gut einem Vierteljahrhundert.
„Die erste Leiche ist immer am schlimmsten. Die vergisst man nie“.
Vor allem dann nicht, wenn vielleicht die gleiche Person jetzt wieder an einem Ort gemordet hat, der für Hildur Bedeutung hat. Und den sie im Lauf der Ermittlungen in eine Verbindung zum damals ersten Fall setzten kann.
Wie immer bei Ramö wirken die Ereignisse nicht durch Tempo und Action, sondern durch eine sehr klare, fast einfache Sprache und ein langsames Voranschreiten, dass sich nicht nur auf die Ermittlungen selbst, sondern auch auf die inneren Erkenntnisse und Differenzierungen der privaten Seite ihrer Figuren erstreckt.
Da braucht es schon Geduld, sich dem gesamten Bild im Thriller zuzuwenden und auch die nicht einfachen Verbindungen unter den Protagonisten selbst mehr und mehr zu einem Geflecht mit Hand und Fuß zusammenzusetzen. Um die Dimensionen echter oder vermeintlicher Schuld zu erfassen, in dem die Figuren verflochten sind.
Die Lebensgeschichte Hildurs selbst, die familiäre Seite mit dem Verschwinden ihrer Tante, die nicht wenig Raum im Thriller einnimmt.
So dass sich hier eine familiäre Ermittlung mit der beruflichen in fast gleichstarken Perspektiven verbindet. Was hier und da dem roten Faden des Mordfalls nicht immer guttut.
Ein ruhige, verschachtelte, Lektüre auch im fünften Band um die alles andere als „gewöhnliche“ Ermittlerin Hildur, die für Fans der Reihe sicher ebenso attraktiv vorliegt, wie die ersten vier Bände.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Rämö, S.
Titel: Das Tal der Schuld
Verlag: Heyne 2026
ISBN: 9783453444126
M.Lehmann-Pape 2026


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