tanja Kokoska "Guten Tag schönes Wetter heute" dtv Verlag Rezension

Tanja Kokoska – Guten Morgen schönes Wetter heute

tanja Kokoska "Guten Tag schönes Wetter heute" dtv Verlag Rezension

Tanja Kokoska – Guten Morgen schönes Wetter heute

Nicht einfach sind die Wege zur Gemeinschaft in der Gegenwart

Dieser Roman ist wie ein „leises“ Gleichnis. 
Hinter den Personen des Romans und dem, was und wie dort zwischen diesen passiert (oder eben lange Zeit nichts passiert).
Da schwingt, nicht laut, nicht anklagend, nicht mit erhobenem Zeigefinger („Wir müssen jetzt aber mal….“) eine Befindlichkeit der modernen Zeiten mit.
Die, durchaus, Leser und Leserinnen emotional, griffig und flüssig erzählt, innerlich in einen zentralen Grund der vielfachen allgemeinen aggressiven Stimmung, der Egoismen, des „jeder für sich“ hinführt.

Dass man zwar einen geographischen Raum teilt mit Menschen, vielen oder einer überschaubaren Menge, aber kein bisschen „Leben“ teilt.
Was im Übrigen auch für die Partnersuche gilt. In Zeiten dutzender Apps, die ein kollektives „links und rechts wischen“ im Verhalten installiert haben, statt eine aufmerksame Betrachtung und ein echtes „Auf jemand zugehen“ zu wagen.
Aber generell ist es, egal auf welchem Weg, nicht mehr einfach, bei anderen „mal nachschauen zu gehen“, was hinter deren Fassaden steckt und was miteinander ginge.

Spürt Ina jeden Tag. Sie will ja. Sich verlieben zumindest. Sich teilen. Aber irgendwie….
Irgendwie passt immer was nicht, verpasst man sich, kommt man nicht nahe genug zueinander. Was ihr als alleinerziehende Mutter mehr und mehr den Mut nimmt.

Ob das so einfach zu lösen ist mit einem bewussteren „sich umschauen“ und sich mal fragen, was denn da in den anderen vorgehen könnte, man weiß es nicht. Aber es wäre kein schlechter, erster Schritt „hinaus in die Welt“.

Wo sich erstmal keine weltbewegenden, aber doch erstaunliche, berührende, kleine Dinge finden lassen würden. In den Menschen, an denen man achtlos vorbeisieht. In der Nachbarschaft, bei doch vielen kleinen Begegnungen „da draußen einfach so“.

Dieses einfache „Guten Morgen. Schönes Wetter heute, nicht wahr? Wie geht’s denn so“, das einfach höflich ist und ohne tiefer gehen zu wollen, aber verdeutlicht, dass man eben Mensch ist, den Raum teilt, dass man wahrgenommen wird und wahrnimmt.

Mit viel Liebe zeichnet Tanja Kokoska ihre Personen.
Die präsent im Kopf verbleiben, auch lange nach der Lektüre.
Die in der Siedlung inmitten der großen Stadt leben. Und in deren Wohnungen, Köpfen, Herzen und Leben doch eine je ganz eigene Welt zu finden wäre.

Die Kokoska erzählerisch leicht im Einzelnen vor Augen führt, um dann, aufgrund eines besonderen Geschehens, diese Menschen einander äußerlich näherkommen und innerlich einander entdecken lässt.

„Indem sich die einen dazusetzten und die anderen absetzen“.
Es kommt Bewegung hinein in das Miteinander. Und diese Bewegung allein bringt bereits viel „Leben ins Leben“.

Ein lesenswerter Roman, der weiß, dass Menschen Kontakt und Bindung benötigen, um nicht zu verdorren. Dass diese Sehnsucht sich zunächst in der Regel nicht in einem großen „Bumms“ ausdrücken wird.

Dass aber darum zu wissen und sich danach zu verhalten, in flüchtigen Begegnungen, im einfachen Alltag, in einem „Guten Tag schönes Wetter heute“ die Chance stark steigen lässt, fremde innere Welten zu erkunden, große Überraschungen erleben zu können und in sich selbst das Gefühl zu stärken, dass die Sehnsucht nach Verbundenheit im Kleinen wie im Großen gestillt werden könnte.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Kokoska, T.
Titel: Guten Morgen schönes Wetter heute
Verlag: dtv 2036
ISBN: 9783423285629

M.Lehmann-Pape 2026

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert