Arno Strobel "Happy Weekend" S.Fischer Verlag

Arno Strobel – Happy Weekend

Arno Strobel "Happy Weekend" S.Fischer Verlag

Arno Strobel – Happy Weekend

Wenn der Ausflug in puren Horror mündet

„Die Aufnahmen waren gestochen scharf, sehr professionell, aus verschiedenen Winkeln aufgenommen. Sie zeigten einen menschlichen Körper, einen Mann oder das, was von ihm übrig war“.

Was sich als Teil einer Ermittlungsakte lesen könnte, macht hier den feinen Unterschied, wo diese Fotos gefunden werden.

Im Koffer von Marcel und Katja.

Der an einer Raststätte während ihres Aufbruchs zu einem kleinen Wochenend-Trip gestohlen wurde.

Dem die beiden über den im Koffer befindlichen Tracker gefolgt sind.

Und sich nun in dieser Halle abseits gelegen befindet.

Dem die beiden nur gefolgt sind, weil im Koffer etwas sehr Wichtiges für ihre Beziehung ist.

Wer den Koffer genommen hat, warum dieser in diese Halle gebracht wurde und was es mit den Fotos auf sich hat, die sich nun neu im Koffer befanden, all das entpuppt sich schnell, da braucht Strobel nicht viel Zeit zu, als Alptraum des Grauens. Für beide. Schritt für Schritt.

Denn nicht sie waren die Jäger des Koffer-Diebes. Dieser war der Jäger der beiden, und sein Plan hat bisher perfekt funktioniert.

Was Strobel sprachlich fast nüchtern und durchaus mit Tempo, Gefahr und Nervenkitzel vor Augen führt. Wobei die Spannung sich aus den Ereignissen selbst ergibt die (da nimmt Strobel kein Blatt vor den Mund), auch in Teilen hart, brutal und blutig über Katja und Marcel und damit über Leser und Leserinnen hereinbrechen.

Was auf der anderen Seite aber zu in sich geschlossen vorliegt. Wie eine Art Katz- Und Mausspiel auf begrenztem Raum, bei dem lange nicht klar wird, ob das alles Zufall ist, ob die beiden ganz bewusst ausgewählt wurden oder nur neue Opfer einer kranken Seele sein sollen.

Mit zwar durchaus überraschenden Wendungen des „Warum und Wie“, aber auch mit, nach dem rasanten Beginn, doch gleichförmiger, wenn auch harter, Handlung.

Wer es klaustrophobisch mag, wer einer teils überharte „Jagd“ einiges abgewinnen kann und wer dabei mehr Wert auf die Handlung selbst als auf psychologisch tiefe Protagonisten und eine Einbindung in einen größeren Zusammenhang legt, der und die werden hier genau den passenden Stoff finden.

Trotz aller Bedrängung, Gefahr und Härte in den Ereignissen bleibt die Geschichte hinter der Jagd und das Personal des Thrillers dennoch eher blass.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Strobel, A.
Titel:  Happy Weekend
Verlag: S.Fischer 2026
ISBN: 9783596712977

M.Lehmann-Pape 2026


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