
Charlotte Robinson – Mars One
Wer krachende Action erwartet, der dürfe in diesem Science-Fiction Thriller in der ganz nahen Zukunft eher falsch anlangen. Wer aber psychologische Tiefe mit auch allgemein Erfahrungen und durchaus mit einem gehörigen Stück Kulturkritik versehen zu schätzen weiß, der kommt voll auf seine und ihre Kosten.
In den Protagonisten. Die die Gegenwart reflektieren anhand hartgesottener Medienprofis, die nur auf Quoten achten, koste es, was es wolle. Anhand eines entscheidenden Wagnisses für die gesamte Zukunft der Menschheit, die nicht mehr von Staaten, sondern privat finanziert aufbrechen wird. Und dafür auch jene ausbooten, auf deren Schultern sie am Ende stehen und ohne die keine Vision wahr geworden wäre.
In denen „an Bord“ und am Boden, die nur ihre eigenen Ideale im Sinn haben und dafür das Leben vieler aufs Spiel setzen und auch vor schmutzigen, „alkoholischen“ Tricks nicht zurückzucken.
Durchmischt von KI, von Hackern, die für den entsprechenden Preis noch nie ein Gewissen hatten. Und von denen, die alles dafür tun, dass etwas gelingt. Und dass Menschen beschützt werden.
Alyss Wright, vor Kurzem erst hart mitgenommen durch ein Wissen über ihren Vater, dass sie nachhaltig schockiert hat, strebt mit ihrem ganzen Wesen „zu den Sternen“.
Noch in staatlichen Diensten aber war sie „Commander“ am Boden für eine Mission zum Mars, die tödlich endete. Und sie dabei den letzten der Astronauten, weit weg von der Erde, bis zu dessen letzten Atemzug im letzten Rest Sauerstoff im Anzug begleitete.
Nun aber ist sie so weit. in der neuen, privat durch einen Medienkonzern und entsprechend Werbung finanzierter, als „Reality-Show“ wie ein „Big-Brother“ rund um die Uhr aus dem Raumschiff übertragen, ist sie an Bord. Commander der Mission.
Doch ein Unfall zerstört alle Hoffnung und wieder findet sie sich (zunächst) in der Rolle der Leiterin der Mission „am Boden“ vor.
Während Jia, ganz woanders, eine Katze zu hüten hat. „Orion“.
Die ihrem Bruder gehört, sein Augenstern ist.
Nur dass ihr Bruder, Programmiere und Hacker der Königsklasse, verschwunden ist. Und in Minutenschnell sie selbst fast getötet wird. Von Menschen, die ihren Bruder und die Katze suchen.
Auf der Flucht stößt sie auf eine Vereinigung von radikalen Umweltschützern (die alles Leben auf der Erde (und „da draußen“) vor dem größten Feind des Lebens mit allen Mitteln schützen wollen. Vor dem Menschen an sich.
Perspektiven, die wechseln. Die später auch aus den Augen jener an Bord des Raumschiffes ergänzt werden. Wo es ganz langsam beginnt. Was man noch als Zufall oder keine Vergesslichkeit abtun könnte. Bis sich die „Aussetzer“ und Probleme auf der Mission häufen und für Alyssa, die all das ahnt, Erinnerungen an den ersten Versuch der Reise zum Mars nachhaltig wachruft.
Doch wer möchte schon unbequeme Warnungen hören, wenn es um Geld und Einschaltquoten geht?
Alyssia wird entsorgt. Aber sie lässt nicht nach. Denn die Sabotage erstreckt sich auf einen technischen Bereich, der wieder tödlich ausgehen wird. Wenn keiner eingreift.
Glänzend erzählt, breit im Personal und den Handlungsorten, psychologisch dicht und, zum Ende hin, durchaus auch mit Spannung und Action am rechten Platz, führt Robinson Leser und Leserinnen tief in die entscheidenden Themen der Gegenwart.
Die Suche nach Mehr “da draußen“ hin zum Mars. Die weltlichen Ränke- und Machtspiele der Nationen. Die Interessen des großen Geldes. Und die harten Ideologen, die für ihre Überzeugungen „zum Wohle aller“ ihn zu Zucken über die „Leichen einzelner“ gehen.
Mit noch Platz für eine nicht alltägliche, aber empathisch erzählte Liebesgeschichte.
Eine hervorragende Lektüre.
Rezensent: Michael Lehmann-Pape
Autor: Robinson, C.
Titel: Mars One
Verlag: Heyne 2026
ISBN: 9783453275898
M.Lehmann-Pape 2026

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